Bücherregal · Web Book
Wellenritt der Wahrnehmung
Ein browserbasiertes Artbook mit 59 Arbeiten und zwei Simulationen. Surfin eröffnet das Buch als interaktives Titelstück; danach folgt die kuratierte Ansicht dem Entstehungszeitraum vom frühesten bis zum jüngsten Werk.
Auftakt
Surfin – Simulation
Eine statische Fotomontage wird durch Licht, Partikel, Pflanzenmotive und Wellenbewegung in eine digitale Szenerie übersetzt.
Simulation öffnen →Werkauswahl
Wie im Plattenladen: durch die Arbeiten stöbern und eine Karte auswählen.
59 Werke · kuratierte Reihenfolge
Für diese Auswahl wurden keine Werke gefunden.
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Simulationen
Interaktive Arbeiten innerhalb des Artbooks.
Ausgewähltes Werk
2006.05
New Hippie Generation
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
New Hippie Generation baut eine poppige Natur-Utopie aus Fragmenten: links ein dichtes Feld gelber Blüten als visuelle Masse, davor ein Gesicht, das aus floralen Texturen zusammengesetzt ist – Mensch als Collage, Identität als Pflanzenschicht. Unten hängen helle Blüten wie schwere Tropfen oder Anhänger in den Raum; sie wirken zart, aber auch leicht künstlich gesetzt, fast wie Bühnenrequisiten. Rechts steht der Schriftzug „new hippie generation" in grellem Grün. Der Titel wird selbst zum Statement, fast zur Plakatgeste. Das Bild spielt mit dem Versprechen von „neuer Natürlichkeit“ und zeigt gleichzeitig, dass diese Natürlichkeit gemacht ist – aus Schnittkanten, Überlagerungen, Stil.
Materialität & Verfahren
Die Arbeit entsteht digital aus Fotografien: Pflanzenelemente und Porträtfragmente werden ausgeschnitten, montiert und in eine klare Flächenaufteilung gebracht (Bildmasse links, Textfeld rechts). Die Typografie (Schrifttyp „Nocker") fungiert als zweite Ebene der Inszenierung: Sie setzt den Ton zwischen Retro, Pop und Manifest und lenkt den Blick weg von „reiner" Natur hin zur kulturellen Zuschreibung. Übergänge, Kanten und Maßstabssprünge bleiben bewusst sichtbar. So zeigt die Arbeit offen, wie ihre Collage gebaut ist. Die Pflanzen wirken dadurch wie Materialproben einer Haltung: Natur als Ornament, als Identitätsfläche, als politisch-ästhetische Behauptung.
Referenzen (Index)
Pflanzen: Jasminum nudiflorum · Prunus subhirtella ‘Fukubana’ · Prunus serrulata ‚Kanzan’ Schrifttyp: “Nocker”
2007.04
Bildende Buchstaben - Eins
Digitale Arbeit · Analoge Malerei · Collage
Werktext
Werkserie
Bildende Buchstaben
Kurzbeschreibung
**Bildende Buchstaben – Eins** macht Sprache räumlich. Ein eigener lyrischer Text bildet als dicht gesetzter Block das Ausgangsfeld der Arbeit. Durch Markierungen, Einfassungen und gezeichnete Verbindungen werden einzelne Wörter und Wortgruppen aus dem fortlaufenden Text herausgelöst und zueinander in Beziehung gesetzt.
So entsteht innerhalb der Textfläche ein Netz aus Knotenpunkten, Wegen und Bedeutungsbezügen. Lesen verläuft dadurch nicht mehr ausschließlich von Zeile zu Zeile. Der Blick springt zwischen hervorgehobenen Begriffen, folgt Linien und entdeckt Verbindungen, die im geschriebenen Text zunächst nicht unmittelbar sichtbar sind.
Das Werk untersucht damit ein Grundprinzip der Werkserie **„Bildende Buchstaben“**: Sprache bleibt lesbarer Bedeutungsträger, wird zugleich aber als Fläche, Form und räumliche Struktur behandelt. Der Text entwickelt eine eigene bildnerische Ordnung.
Materialität & Verfahren
Ausgangspunkt ist ein eigener lyrischer Text, der in einer Textverarbeitung abgetippt und über Satzbild, Blockstruktur und Rhythmus gestaltet wird. Die Textseite wird auf ein zuvor mit Öl-Pastellkreide bemaltes Papier geklebt, sodass Textfläche und Malgrund als unterschiedliche Schichten aufeinandertreffen.
Mit Buntstiften werden anschließend einzelne Wörter und Wortgruppen hervorgehoben, eingefasst, unterstrichen oder durch Farbflächen gebunden. Linien verbinden Begriffe über die Textfläche hinweg und bilden semantische Inseln und Beziehungsachsen.
Die Zeichnung illustriert den geschriebenen Text dabei nicht lediglich, sondern greift unmittelbar in seine Ordnung ein. Sprache wird innerhalb der Werkserie **„Bildende Buchstaben“** zum bildnerischen Material und Lesen zu einem räumlichen Prozess.
– Textarbeit/Collage (eigener abgetippter Text, Layoutbearbeitung, bemaltes Papier, Buntstifte & Öl-Pastellkreide)
Kontext-Hinweis
Das Werk gehört zur Werkserie **„Bildende Buchstaben“** und ist in *Zwischen den Büchern* erschienen (Neuauflage 2023).
2007.06
cosmic Girls
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
cosmic Girls inszeniert Körper als kosmische Schnittstelle: zwei Frauen liegen ineinander verschränkt, die dunklere Figur ruht auf der Brust der hellhäutigen und verankert die Szene in einer intimen, fast schwerelosen Nähe. Über beiden liegt ein Sternenrauschen, als wäre Haut zugleich Oberfläche und Himmel – Körper werden zu Trägern von Raum. Links löst sich ein dunkles, spritzendes Fragmentfeld aus der Szene und kippt die Intimität in eine zweite Lesart. Es erinnert an Eruption, Ausstoß und das Entstehen von etwas Neuem. Das Werk hält so eine Spannung zwischen Zärtlichkeit und Kosmologie: Nähe als Ursprung, Überfluss als Energie, Werden als unkontrollierbarer Prozess.
Materialität & Verfahren
Die Arbeit basiert auf digitaler Montage und starker Effektsetzung: zwei figurative Körper werden in eine farbige, wolkenartige Umgebung gesetzt und mit Stern-/Glitzerpartikeln überlagert, die Tiefe und kosmische Skalierung erzeugen. Kontraste und Farbverschiebungen verdichten die Figuren zu leuchtenden Inseln im Bildraum; Überblendungen lassen Grenzen zwischen Körper und Hintergrund weich werden. Die dunklen Spritzformen funktionieren als Bewegungsspur – wie ein eruptiver Pinselstrich, nur als digitale Geste – und erweitern den intimen Kontakt um eine energetische Dimension. Entscheidend ist die Schichtung: Körper, Licht, Partikel und Fragmentfelder werden so gestapelt, dass das Bild zwischen Erotik, Mythos und Science-Fiction pendelt, ohne in eine eindeutige (oder rein explizite) Erzählung zu kippen.
2007.11
Bildende Buchstaben - Helix
Digitale Arbeit · Analoge Malerei · Collage
Werktext
Werkserie
Bildende Buchstaben
Kurzbeschreibung
**Bildende Buchstaben – Helix** organisiert Sprache als ein Gefüge aus sich überlagernden Strängen. Die Textzeilen bilden eine zusammenhängende Fläche, während farbige Felder einzelne Bereiche hervorheben, unterbrechen und gegeneinander staffeln.
Der Text bleibt grundsätzlich lesbar, wird jedoch nicht als gleichmäßiger Erzählstrom behandelt. Wörter und Passagen treten hervor, verschwinden wieder in der Fläche und erscheinen an anderer Stelle erneut als Teil einer farblich gegliederten Struktur. Die Anordnung erinnert dabei an eine Helix, deren Stränge nie gleichzeitig vollständig sichtbar werden.
Unterschiedliche Farbzonen markieren verschiedene Zustände innerhalb dieser Bewegung: Verdichtung, Übergang, Ruhe und erneutes Hervortreten. Bedeutung entsteht dadurch sowohl aus den geschriebenen Worten als auch aus ihrer Sichtbarkeit, ihrer Staffelung und ihrer räumlichen Beziehung zueinander.
Innerhalb der Werkserie **„Bildende Buchstaben“** wird Sprache damit nicht nur gelesen, sondern als bewegliche Bildstruktur behandelt.
Materialität & Verfahren
Ausgangspunkt ist ein eigener lyrischer Text, der in einer Textverarbeitung abgetippt und über Satzbild, Blockstruktur und Rhythmus gestaltet wird. Die Textseite wird anschließend auf einen zuvor bemalten Grund aufgebracht.
Mit Buntstiften und Öl-Pastellkreide werden Wörter und Passagen selektiv hervorgehoben, eingefasst, unterstrichen und durch Farbflächen miteinander verbunden. Dadurch entstehen semantische Inseln und Beziehungsachsen innerhalb des Textfeldes.
Für dieses Werk ist besonders die Staffelung der Farbfelder entscheidend. Sie lassen jeweils nur Ausschnitte der Helixstruktur hervortreten und erzeugen den Eindruck mehrerer parallel verlaufender Stränge. Die Arbeit verbindet so Sprache, Farbe und räumliche Ordnung zu einer Form, in der Lesen selbst zu Bewegung wird.
– Textarbeit/Collage (eigener abgetippter Text, Layoutbearbeitung, bemaltes Papier, Buntstifte & Öl-Pastellkreide)
Kontext-Hinweis
Das Werk gehört zur Werkserie **„Bildende Buchstaben“** und ist in *Zwischen den Büchern* erschienen (Neuauflage 2023).
2007.12
Bildende Buchstaben - Hasenjagd
Digitale Arbeit · Analoge Malerei · Collage
Werktext
Werkserie
Bildende Buchstaben
Kurzbeschreibung
**Bildende Buchstaben – Hasenjagd** organisiert Sprache als Bildraum und Jagdszene. Ausgangspunkt ist ein aus mehreren selbstgeschriebenen Gedichten zusammengesetzter Text, der als Blocksatz gesetzt wird und dadurch ein dichtes sprachliches Feld bildet. In diesem Feld werden einzelne Wörter und Wortgruppen farblich hervorgehoben und zu bildhaften Figuren verdichtet.
Die grüne Form erscheint als **Schäferhund** und wird zur treibenden Kraft der Szene. Eine größere rot eingefasste Wortformation bildet den **Körper eines Hasen** nach. Oberhalb erscheinen weitere rote Markierungen, die zusätzliche Hasen andeuten: Durch ihre gedachte Entfernung treten sie nur noch als kleinere Wortumrandungen beziehungsweise Punkte in Erscheinung. Unterhalb des großen Hasen formiert sich in Lila der Körper eines **Rotkehlchens**.
Gelb legt Landschaftszonen an, Blau öffnet einen Himmelsraum und Weiß schafft wolkenartige Bereiche. So entsteht ein Spannungsfeld aus Bewegung, Distanz und Richtung. Lesen wird hier zu einem Verfolgen von Spuren: Bedeutung entsteht nicht nur im Inhalt der Wörter, sondern auch in ihrer Anordnung, farblichen Bindung und räumlichen Beziehung zueinander.
Innerhalb der Werkserie **„Bildende Buchstaben“** wird Sprache damit zugleich als Bedeutungsträger und als bildnerisches Material eingesetzt. Wörter können zu Figuren, Bewegungen und räumlichen Beziehungen werden.
Materialität & Verfahren
Ausgangspunkt ist ein aus mehreren eigenen Gedichten montierter Text, der digital in einer Textverarbeitung als Blocktext angelegt wird. Diese Textfläche bildet das Grundgerüst des Werkes. Der Text wird auf einen zuvor bemalten Grund aufgebracht; Aquarell- beziehungsweise Farbflächen gliedern Landschaft, Himmel und atmosphärische Bereiche.
Mit Buntstiften und Öl-Pastellkreide werden innerhalb des Textkörpers einzelne Begriffe, Wortgruppen und Bewegungsachsen hervorgehoben. Grün formt den Schäferhund, Rot die Hasen und Lila das Rotkehlchen. Dabei verändert sich die Darstellung mit der gedachten Entfernung: Die große rote Wortformation beschreibt den nahen Hasenkörper, während weiter entfernte Hasen nur noch als kleinere rote Wortumrandungen sichtbar werden.
Die Zeichnung illustriert den Text nicht lediglich, sondern ordnet Sprache räumlich und macht aus ihr Figuren, Wege und Bewegungsrichtungen. Der Text selbst wird zum Schauplatz der Jagd.
– Textarbeit/Collage (eigener abgetippter Text aus mehreren selbstgeschriebenen Gedichten, Layoutbearbeitung, bemaltes Papier, Buntstifte & Öl-Pastellkreide)
Kontext-Hinweis
Das Werk gehört zur Werkserie **„Bildende Buchstaben“** und ist in *Zwischen den Büchern* erschienen (Neuauflage 2023).
2008.12
pesonnia
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
pesonnia zeigt eine Gestalt wie ein botanisches Totem: Blüte als Kopf, faseriger Pflanzenkörper als Rumpf, unten ein Büschel aus Wedeln und Gras – eine „Person“ aus Vegetation, die eher Frequenzträger als Figur ist. Der Hintergrund liegt in warmen Gelb- und Orangetönen wie ein künstlicher Sonnenraum; alles wirkt aufgeladen, als stünde die Szene unter einem zweiten Licht. Links oben setzt ein kreisförmiges Zeichen ein Siegel in die Fläche – wie ein Marker für Zugehörigkeit oder eine codierte Energiequelle. Vor dem Gedicht gelesen geht das Bild in eine klare Richtung: gemeinsames Aufladen, Wärme als geteilte Leistung und das Entstehen von Kraft durch Synchronisierung.
Materialität & Verfahren
Die Arbeit entsteht digital aus fotografischen Pflanzenelementen, die ausgeschnitten, skaliert und zu einer zentralen Figur montiert werden. Die Collage bleibt sichtbar: Kanten, Überblendungen und Texturbrüche machen klar, dass diese Gestalt zusammengesetzt ist – gebaut statt gewachsen. Farbkorrekturen und Kontrastverschiebungen ziehen die Fragmente in eine warme Gesamtstimmung. Der Bildraum wirkt wie eine zweite Sonne, eher als Zustand denn als reale Lichtquelle. Das grafische Siegel im oberen linken Bereich stabilisiert die Komposition zusätzlich und setzt eine Ebene von Zeichen über die botanische Körperlichkeit – wie eine Frequenzmarke oder ein Emblem, das den „Sonnenraum“ rahmt. So verbindet die Arbeit organisches Material und symbolische Setzung zu einer Figur, die wie ein Resonanzkörper funktioniert.
Pflanzliche Referenzen (Index)
Paeonia lactiflora · Helianthus annuus · Cortaderia selloana (Wedel/Beine) · diverse Wiesengrasarten (Rücken)
Kontext-Hinweis
Der Bezugstext „Das Erwachen der zweiten Sonne“ ist Bestandteil von Zwischen den Büchern (Neuauflage 2023).
2008.12
psychedelic lover swinging 60's
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
psychedelic lover swinging 60's funktioniert wie ein Poster-Signal: schwarze Bühne, goldene Schrift, eine einzelne Figur als Ikone. Ein kreisender Rahmen aus rot-gelblichen Bahnen umschließt das Motiv wie ein hypnotischer Loop – eher Schwingung als Ornament. Die Frau im 60s-Outfit steht wie in einem Display: ausgeschnitten, freigestellt, präsent wie ein Emblem für eine Fantasie von Freiheit, Stil und performativer Leichtigkeit. Der Text benennt diese Projektion direkt und macht sie gleichzeitig zur Oberfläche: „psychedelic“, „lover“, „swinging“ – Begriffe, die mehr Stimmung als Aussage sind. So wird die Retro-Ästhetik selbst zu einem verlockenden, kreisenden Zeichenfeld.
Materialität & Verfahren
Ausgangspunkt ist ein Bild aus dem Netz, das in der Bildbearbeitung neu gerahmt und in eine plakative Komposition überführt wird. Die Typografie „Nocker“ setzt den Ton bewusst auf 60s-Psychedelia: geschwungene Formen, ornamentale Details, klare Hierarchie. Der Hintergrund wird als tiefe, schwarze Fläche gehalten, damit Schrift und Figur maximal herauspoppen. Glitch-/Stör-Effekte und harte Kanten an der Freistellung lassen die Konstruktion sichtbar. Der Remix darf als Remix erscheinen; eine „authentische Vintage“-Illusion wird gar nicht erst behauptet. Der kreisende Rahmen wirkt dabei wie eine visuelle Frequenz – eine Zirkulation, die Retro als Loop und Begehren als Wiederholung lesbar macht.
(Netzbild, Typografie „Nocker“, Bildbearbeitung/Glitch)
2009.01
Psychedelic swinging
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
Psychedelic swinging macht aus der Sonne eine vibrierende Bühne: Ein grünlich flackernder Kern füllt die Mitte, als wäre die Oberfläche aus verschlungenen Linien und Strömungen gebaut. Darüber liegt der Titel in opulenter Schrift wie ein Banner, fast wie ein Zauberspruch, der das Motiv in eine Retro-Psychedelia kippt. Am Rand sitzen Lichtquellen und optische Kreiseffekte: Flares, Strahlen, ein scheibenartiges Muster unten rechts – Elemente, die Wahrnehmung als Schwingen und Kreisen inszenieren. Am Ende bleibt ein Zustand aus Rhythmus, Überreizung und hypnotischer Ordnung; die Sonne ist nur noch sein Ausgangspunkt.
Materialität & Verfahren
Ausgangspunkt ist ein Sonnenbild aus dem Internet, das digital umcodiert und mit Effekt- und Textschichten neu organisiert wird. Farbverschiebungen ziehen das Motiv in eine künstliche Grünpalette, Konturen und Texturen werden verstärkt, sodass die Oberfläche wie ein elektrisches Gewebe wirkt. Die Typografie wird großflächig über den Kern gelegt und als gestalterischer Anker eingesetzt: ornamentale Buchstaben, hohe Kontraste, plakative Präsenz. Ergänzende Effekte (Linsenflares, Strahlensterne, kreisende Muster/ Overlays) bauen einen zweiten Raum aus optischen Phänomenen, der das Bild als visuelle Frequenz lesbar macht. Die sichtbare Schichtung – Bildquelle, Umfärbung, Schrift, Effektraum – ist dabei Methode: Remix statt Naturabbild.
Referenzen
Bildquelle: Sonne (Internet) Font: „Flower“ Technik: digitale Umfärbung, Text-Overlay, Licht-/Kreiseffekte (Compositing)
2009.06
Mother of Nature
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
Mother of Nature verschmilzt Porträt und Landschaft zu einer Figur, die mehr Zustand als Person ist: In einer ovalen Zone erscheint ein Gesicht, halb sichtbar, halb überwachsen – als säße die Natur tief im Körper und spräche von dort nach außen. Über dem Kopf liegt ein Lichtpunkt wie eine zweite Sonne oder ein gedanklicher Fokus; ringsum wabern farbige Wolken und transparente Kreise, die die Wiese in ein psychisches Klima verwandeln. Das Bild kippt zwischen Schutz und Überforderung: Natur als tröstende Hülle, aber auch als Macht, die Identität auflöst. Im Kontext deines Textes wird die Szene zur Gegenfigur der „verlassenden“ Erfahrung. Der Geliebte rückt aus dem Zentrum; Herkunft und Erneuerung treten an seine Stelle.
Materialität & Verfahren
Ausgangspunkt ist ein Wiesenbild (Foto, ursprünglich von einer bekannten Quelle), das digital stark überarbeitet und überlagert wird. Über Farbverschiebungen, Sättigung und weiche Texturschichten entsteht ein psychedelischer Schleier, der die Fotobasis zwar erkennen lässt, aber in Richtung Vision drückt. Das Gesicht wird als zweite Ebene in eine ovale Maske eingelassen und mit der Landschaft verrechnet, sodass Haut und Vegetation ineinander fallen (Überblendung/Transparenz/Mehrfachbelichtung). Licht- und Kreis- Overlays setzen zusätzliche Ordnungszeichen: Fokus, Aura, Resonanzräume. Die Bearbeitung codiert das Ausgangsmaterial neu: Wiese wird zu Innenraum, Porträt zu Landschaft, Natur zu Mutterfigur.
Referenzen
Bildquelle: Wiesenfoto, bekannte Quelle; digitale Weiterbearbeitung) Lyrischer Bezug: „Das Geschenk für eine verlassende Frau“, enthalten in Zwischen den Büchern (Neuauflage 2023) Technik: digitale Farbverschiebung, Maskierung (oval), Mehrfachbelichtung/ Überblendung, Textur- und Kreis-Overlays, Lichtstrahl-Effekt
2009.11
self digitalisation
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
selfdigitalisation zeigt ein Selbstporträt als geteilten Zustand: Die linke Gesichtshälfte zerfällt in Störungen, Kratzer und Datenrauschen – als würde Identität hier neu codiert und ihre Erinnerung dabei die feste Form verlieren. Die rechte Seite bleibt vergleichsweise ruhig und beobachtend, fast dokumentarisch, wodurch der Bruch noch härter wirkt. In der Hand liegt ein rotes, kreisförmiges Zeichen (hagakure) wie ein Siegel oder ein Kern. Es wird zum Bezugspunkt im Bildraum. Der Hintergrund bleibt Zimmer, Alltag, Privatheit – und genau dadurch wirkt die Transformation am Körper umso deutlicher. Das Bild spricht von Selbstdisziplin und Selbstentwurf. Der Ehrenkodex bekommt eine grafische Form und bündelt die Störung, ohne sie aufzulösen.
Materialität & Verfahren
Ausgangspunkt ist eine Fotografie, die im Bildbearbeitungsprogramm in zwei Register zerlegt wird. Auf der linken Seite dominieren digitale Interventionen: Glitch-Strukturen, harte Kontrastkanten, fragmentierte Pixelraster und streifige Verzerrungen, die die Gesichtspartie wie „komprimiert“ oder beschädigt erscheinen lassen. Die rechte Seite bleibt näher am fotografischen Material; leichte Farbverschiebungen und Überlagerungen reichen, um die Szene als bewusst bearbeitet zu markieren, ohne sie zu zerstören. Das hagakure-Zeichen wird als grafisches Element in eine leuchtende, rote Wolke eingebettet und in die Handposition eingepasst, sodass es wie ein konzentrierter Fokus wirkt – ein Symbol, das Haltung behauptet, während das Bild gleichzeitig den Zerfall/ Umformungsprozess sichtbar macht. Die Bearbeitung trägt das Konzept: Technik wird zur Metapher für Selbstprüfung, Selbstkontrolle und die Frage, wie „Ich“ unter Druck stabil bleibt.
2009.11
hagakure
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
hagakure nimmt eine Sonnenblume (Helianthus annuus) als Träger für ein Zeichen: Die Blüte füllt das Bild wie ein Emblem, ihre Blätter wirken durch die Farbverschiebung elektrisch und unwirklich – mehr Signal als Botanik. An die Stelle des natürlichen Blütenstempels tritt ein eingelassenes „hagakure“-Motiv, kreisförmig verschränkt wie ein Siegel. Dadurch kippt die Blume vom Naturobjekt zur Schnittstelle: Außen ein Kranz aus Energie, innen ein kodierter Kern. Das Bild wirkt wie eine Umdeutung von Wachstum in Symbolik – als würde eine Pflanze zum Träger eines verborgenen Programms.
Materialität & Verfahren
Ausgangspunkt ist eine fotografische Aufnahme der Sonnenblume, die in der Bildbearbeitung farblich radikal umcodiert wird (Inversion/Shift von Tonwerten, Sättigung und Kontrast), sodass Blatt und Hintergrund in eine künstliche, fast thermografische Palette kippen. Das hagakure-Zeichen wird anschließend als Stempel in die Blütenmitte integriert und so behandelt, als wäre es dort gewachsen – ein struktureller Kern der Blüte. Kanten und Übergänge werden betont, damit die Form wie eingeprägt wirkt; gleichzeitig halten Textur und Bildrauschen im Hintergrund die Fotobasis präsent. So entsteht eine hybride Oberfläche aus Naturdetail und grafischer Einschreibung: Fotografie als Träger, Bearbeitung als Transformation, Zeichen als Zentrum.
– digitales Bild (Fotobasis, farbliche Umkodierung, modernes hagakure Zeichen als eingelassener Blütenstempel)
2011.04
Kolibri
Digitale Arbeit · Analoge Malerei
Werktext
Kurzbeschreibung
Kolibri gibt der Flucht den Charakter von Widerstand unter Druck: ein kleiner Körper, der sich gegen eine übergroße Umgebung behauptet. Die Figur wirkt wie ein Hybrid aus Tier und Signal — ein Kolibri, der zugleich Ornament, Warnzeichen und Hoffnungsträger sein kann. Der Hintergrund besteht aus einer energetischen Wolke. Pink, Türkis und Gelb legen sich wie Temperaturzonen um den Vogel und machen das Bild zu einer Wetterlage der Stimmung. So kippt das Motiv zwischen Leichtigkeit (Schweben) und Bedrohung (Eingekesseltsein), ohne sich auf eine einzige Lesart festnageln zu lassen.
Materialität & Verfahren
Ausgangspunkt ist eine Bleistiftzeichnung: klare Silhouette, betonte Flügelstruktur, ein langgezogener Schnabel als Richtungsvektor. In GIMP wird die Zeichnung in eine künstliche Farblogik übersetzt: harte Kontraste, körnige Texturen, ein beinahe posterartiger Look. Die Farbfelder bilden eine Aura/Zone statt einer naturgetreuen Umgebung — sie erzeugen Distanz zum Dokumentarischen und schieben das Motiv in Richtung Allegorie. Entscheidend ist die Reibung zwischen Handspur (Zeichnung) und digitaler Überformung: Das Bild bleibt erkennbar körperlich gemacht, wird aber in eine gesellschaftliche Stimmung transformiert.
Kontext-Hinweis
Das Werk ist in Zwischen den Büchern erschienen (Neuauflage 2023).
2011.06
I love Flowers
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
I love Flowers verschiebt Blick und Priorität: Zuerst erscheint eine dichte, künstliche Flora– Thuja- Strukturen rahmen das Bild wie Vorhänge, dazwischen leuchten Blüten in Violett, Orange und Rosa, Blätter schneiden wie Pfeile in die Fläche. Erst beim zweiten Lesen kippt die Szene: Zwischen den Pflanzen liegen fragmentierte Körperformen und Hauttöne wie irritierende Einlagerungen. Erotik wird hier bewusst zur Nebeninformation; das Bild testet, wie lange Wahrnehmung im „Botanischen“ bleibt, bevor sie die Collage als menschlich codierten Raum erkennt. So entsteht eine Spannung zwischen Anschauen und Entdecken: Natur als Tarnung, Fragment als Störung, Blick als Suchbewegung.
Materialität & Verfahren
Die Arbeit entsteht über Computer-/Kamera-Material und digitale Montage: Pflanzenmotive werden gesammelt, ausgeschnitten, überlagert und in einer dichten Schichtung organisiert. Durch farbliche Verschiebungen und Kontrastsetzung werden die botanischen Elemente gegenüber den Hautfragmenten dominant gemacht – die Pflanzen sind lauter, klarer, vordergründiger. Körperteile erscheinen nur als Bruchstücke, teilweise verdeckt oder in die Vegetation eingepasst, sodass sie eher als Formmaterial denn als „Szene“ funktionieren. Kanten, Transparenzen und die sichtbare Collage-Logik halten die Konstruktion offen: nichts ist nahtlos, alles bleibt als Setzung erkennbar. Die benannten Arten wirken dabei wie ein Index oder Herbarium-Stichwortliste – ein wissenschaftlicher Rahmen, der die Wahrnehmung zusätzlich auf Pflanzen fokussiert, bevor die zweite Ebene (Positionierung der Fragmente) ins Bewusstsein drängt.
Pflanzliche Referenzen (Index)
Thuja orientalis „Elegantissima“ · Cocos nucifera · Kniphofia praecox · Betula pendula · Ilex aquifolium · Gentiana pyrenaica · Dahlia semi-cact. „Cha cha“
2012.03
believe
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
believe setzt den Körper als Aussparung: eine menschliche Silhouette erscheint wie aus dem Bild herausgeschnitten und zugleich mit einem grünen Feld wieder aufgefüllt. Der Hintergrund bleibt weich und flächig – gelblich, blättrig, wie eine überbelichtete Erinnerung –, während die zentrale Form als Verdichtung wirkt. Unten steht das Wort „believe“ als ruhiger Befehl oder Selbstsuggestion, der die Arbeit zwischen Hoffnung und Zwang kippen lässt: Glauben als Rettungsanker, aber auch als Druck, sich zusammenzuhalten.
Materialität & Verfahren
Die Arbeit basiert auf digitaler Komposition aus Fototexturen und grafischer Negativform. Die Silhouette wird als Maske gesetzt: Innen liegt eine grasartige Struktur in sattem Grün, außen eine diffuse, gelbwarme Fläche, die an Laub/Unterholz oder Lichtflecken erinnert. Durch die harte Trennung von Innen und Außen entsteht ein Schwellenraum: Die Figur ist da, aber sie bleibt „durchlässig”, eher Fläche als Körper. Die Typografie sitzt als aktiver Anker im Bild und lenkt die Wahrnehmung auf Haltung und Entscheidung. Die leichte Unschärfe/ Überlagerung im Hintergrund hält das Ganze in der Schwebe zwischen Naturbild und mentalem Zustand.
Pflanzen: Betula pendula · versch. Wiesengrasarten Font: „Albany“
2012.04
Marinchens Lampion
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
Marinchens Lampion zeigt Aufstieg als Konsequenz von Aufmerksamkeit: Eine Figur steht im Dunkelraum, aber ihre Geste zieht alles Licht an sich – der Arm streckt sich in einen pinken, glühenden Kern, der wie Laterne, Frucht oder zweite Sonne wirkt. Von diesem Punkt schießen Strahlen in alle Richtungen. Der Hintergrund beschleunigt. Der Körper ist als Silhouette mit harten Kanten gesetzt, als würde er vom Licht ausgeschnitten und gleichzeitig überreizt; die Haltung wirkt leicht, fast schwebend, obwohl sie körperlich bleibt. Im Bezug zum Text wird der „Lampion“ zum Träger einer neuen Wahrnehmung: ein kleines Leuchten gibt der Szene eine neue Richtung, bis die Figur aus dem Bodenabstand herauskippt und in eine andere weite gerät.
Materialität & Verfahren
Das Werk basiert auf einer privaten digitalen Bildquelle, die in der Bearbeitung stark umcodiert wird. Durch radiale Strahlen-/Burst-Effekte wird der Lampionpunkt als Zentrum überhöht und als Energiekern lesbar gemacht; Kontrast- und Farbverschiebungen drücken die Szene in ein Nacht-Spektrum mit neonartigen Akzenten. Die Figur wird freigestellt und in die Strahlenlogik eingebettet, sodass Konturen und Kanten bewusst sichtbar bleiben (Montage statt Illusion). Rauschen, Pixelstruktur und harte Übergänge bleiben sichtbar und gehören zur Bildsprache. Das Leuchten wirkt technisch übersteuert, fast wie zu viel Energie für einen kleinen Lampion – passend zur Idee, dass ein kleines Objekt die Physik der Szene verändert.
Referenzen
Lyrischer Bezug: „Das Marinchen und der Lampion“, enthalten in Zwischen den Büchern (Neuauflage 2023) Bildquelle: private digitale Quelle (digitales Ausgangsbild), weiterbearbeitet Pflanze/Index: Physalis alkekengi (Lampionblume) Technik: Freistellung/Montage, Farbverschiebung, Strahlen-/Burst-Effekt, Kontrast- und Texturverdichtung
2012.09
between Lines
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
between Lines verhandelt Orientierung als Teamarbeit: Zwei Sprechblasen hängen in einer wolkig verwirbelten Farbzone und führen ein Gespräch, das zugleich banal und existenziell wirkt. „Did i left the right colour in this picture?“ trifft auf „Don’t take a mind on it and let’s get straight ahad!“ – eine kleine Einigung darauf, dass Richtung nicht Perfektion braucht, solange Bewegung gemeinsam passiert. Der Hintergrund kreist und kräuselt sich: Farben laufen ineinander, bilden Knoten, verlieren Konturen und finden sie wieder. Das Bild macht Suche sichtbar – nach dem „richtigen“ Farbton, aber auch nach einer Haltung, die Fehler zulässt und trotzdem vorwärts geht.
Materialität & Verfahren
Die Arbeit ist digital aufgebaut: weiche, halbtransparente Farbfelder werden geschichtet und verwirbelt, sodass ein Eindruck von Strömung und permanentem Mischen entsteht. Die Sprechblasen sind als klare, grafische Marker darübergelegt; ihre Konturen stabilisieren das Bild, während der Farbhintergrund instabil bleibt. Kontraste (Grün/ Orange/Rot/Violett) und Unschärfen erzeugen eine Art visuelles Rauschen, das eher an „Suchen“ als an „Finden“ erinnert. Text fungiert als Steuerimpuls: Er rahmt die Farbbewegung als Entscheidungsprozess und verschiebt die Frage von „Ist es richtig?“ zu „Trägt es uns weiter?“. So wird Farbmischung zur Metapher für gemeinsames Vorankommen. Gerade die Unklarheit trägt die Bewegung weiter.
2012.09
Ronin
Digitale Arbeit · Analoge Malerei
Werktext
Kurzbeschreibung
Ronin zeigt eine Figur als Zeichenkörper: ein stehender Samurai in einem ovalen Feld, mit Schwert in der Hand, umgeben von grob gesetzten Formen, die wie Schild, Mond oder Bühne wirken. Rechts fächern strahlenartige Segmente aus dem Rand in den Raum – als würde sich eine zweite Zone öffnen: Angriffswellen, Zeitstrahlen oder eine Arena, die den Körper in eine größere Ordnung stellt. Durch die digitalen Varianten kippt die Szene immer wieder zwischen Lesbarkeit und Auflösung: mal ist der Krieger fast nur noch Kontur im Rauschen, mal wird er in eine farbige Stimmung getaucht. Das passt zur Textlogik: Standhalten wird zu einem Zustand, der sich wiederholt, verschleißt und trotzdem behauptet — „stehen“ als Widerstand gegen die Unendlichkeit.
Materialität & Verfahren
Ausgangspunkt ist eine Bleistiftzeichnung, die eingescannt und am Computer in mehreren Versionen weiterbearbeitet wird. Der Scan trägt dabei die Handspur (Linien, Schraffuren, Druckunterschiede) und wird durch digitale Eingriffe in unterschiedliche Register übersetzt: Kontrast- und Tonwertsprünge verdichten den Körper zur Ikone oder lassen ihn im Bildrauschen fast verschwinden; Farbvarianten setzen Stimmungen (kühl/ bstaubig, rot alarmierend, schwarz-weiß extrem) und verschieben die Wahrnehmung vom Narrativ zur Struktur. Körnung, Pixelreste und harte Kanten bleiben offen und wirken wie Material des „Kampfes“. Das Bild zeigt seine eigene Bearbeitung als Abnutzung und Wiederholung. Die Serie der Varianten wirkt dadurch wie eine Übung in Standhaftigkeit: derselbe Kern, immer neue Bedingungen.
Referenzen
Medium/Tools: Scanner, Computer; Bleistiftzeichnung als Ausgangsbasis Lyrischer Bezug: „Die Begegnung des Kriegers und des Kämpfers“ & „Wie der Samurai zum Ronin wurde“, enthalten in Zwischen den Büchern (Neuauflage 2023) Technik: Scan digitale Tonwert-/Kontrastbearbeitung, Farbvarianten, Rausch-/ Körnungseffekte, mehrfach exportierte Versionen (Seriencharakter)
2013.11
Zwischen den Büchern - Buchcover
Digitale Arbeit · Layoutgestaltung · Typografie
Werktext
Kurzbeschreibung
Zwischen den Büchern zeigt Literatur als Übergangsraum aus Schrift, Farbe und Überlagerung. Textspuren ziehen sich über die gesamte Fläche, treten hervor, verblassen wieder und werden so selbst zum Bildmaterial. Vorder-, Rücken- und Rückseite sind formal getrennt, bleiben aber über das gemeinsame Textfeld und die weich verlaufenden Farbzonen miteinander verbunden. Dadurch wirkt das Cover wie ein Zustand zwischen Lesen und Erinnern, zwischen Sichtbarkeit und Auflösung. Der große schwarze Titel steht ruhig über dem flirrenden Grund und setzt dem Umkreisen der Schrift eine klare Form entgegen. Das „Zwischen“ des Titels wird zur Bildordnung: Text geht in Farbe, Spur und Fläche über.
Materialität & Verfahren
Die Gestaltung basiert auf digital bearbeiteten Textflächen, die mit lasierenden Zonen in Rosa, Gelb, Türkis und Orange überlagert werden. Weiße Vertikalflächen für Rückseite und Buchrücken schaffen Ordnung, ohne das fortlaufende Textkontinuum ganz zu unterbrechen. Typografisch ist die Vorderseite klar gegliedert, während die Rückseite den Klappentext in ein ruhiges Lesefeld überführt. Entscheidend ist die Reibung zwischen Lesbarkeit und atmosphärischer Auflösung: Die Schrift bleibt erkennbar, wird aber durch Transparenzen, Überlagerungen und Farbverschiebungen in eine bildhafte Oberfläche transformiert.
Referenzen
Titel: Zwischen den Büchern Autor: Jeremias Erdogan Print-Ausgabe: ISBN-13 978-3734702730 E-Book-Ausgabe: ASIN B0C2W4YJLX Kontext-Hinweis: Zwischen den Büchern erschien zuerst 2013 und liegt seit 2023 als vollständig überarbeitete Neuausgabe vor. Für die englische Fassung wurde dasselbe Coverprinzip übernommen und sprachlich angepasst.
2015.02
Work @ Amazon - Buchcover
Digitale Arbeit · Fotografie · Layoutgestaltung · Typografie
Werktext
Kurzbeschreibung
Work @ Amazon setzt Arbeit direkt an den Körper und macht sie als Erfahrung sichtbar. Rechts steht der Autor frontal vor dunklem Grund in orangefarbener Warnweste; links erscheint ein vergrößerter Ausschnitt derselben Weste, überlagert von einem kreisförmigen Textfeld. Dadurch spaltet das Cover die Ebene von Person und Material: Die Ganzfigur wird als Träger einer Erfahrung lesbar, das Detail der Weste als Zeichen einer Arbeitsordnung, die den Körper sichtbar macht und zugleich funktional codiert. Der Titel liegt groß über Brust und Bauch und wirkt fast wie ein zusätzlicher Uniformaufdruck. Der Unternehmensname schreibt sich dadurch in die Figur ein. Der schwarze Hintergrund isoliert die Person und entzieht jede konkrete Umgebung; Lagerhalle, Technik und Betrieb bleiben ausgespart. Gerade dadurch verschiebt sich das Bild von Reportage zu Verdichtung. Der Arbeitsplatz fehlt; übrig bleibt seine Spur in Haltung, Kleidung und Blick.
Materialität & Verfahren
Ausgangspunkt ist eine fotografische Aufnahme, die in ein streng symmetrisches Coverlayout überführt wird. Semitransparente Weißflächen – Kreis links, Rechteck rechts – erzeugen Lesbarkeit, ohne den Bildträger ganz zu tilgen. Die reduzierte Farbskala aus Orange, Schwarz, Weiß und Hauttönen übernimmt die Signalästhetik der Sicherheitsweste und macht das Buch selbst zu einer Art Warnfläche. Die Serifenschrift reibt sich bewusst an der Corporate-Nüchternheit und bringt Erfahrungsbericht, Selbstauskunft und Markenname auf derselben Fläche gegeneinander.
Referenzen
Titel: WORK @ AMAZON Autor: Jeremias Erdogan Erscheinungsdatum: 12. Februar 2015 Umfang: 48 Seiten ISBN-10: 3737530939 ISBN-13: 978-3737530934 Verlag/Publisher-Angabe: epubli GmbH Kontext-Hinweis: Das Buch wird seit 2023 nicht mehr gedruckt, weil sich die Prozesse bei Amazon verändert haben und der dargestellte Zustand nicht mehr aktuell ist.
2017.02
holdON - digitale Edition
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
holdON verhandelt Verbindung als riskanten Sprung durch Distanz. Zwei Körper strecken sich einander entgegen. Zwischen ihnen vibriert ein Feld aus Rauschen, Spiegelung und Störung. Links kippt eine Figur aus einer erdähnlichen Sphäre heraus, rechts löst sich eine zweite aus einer bläulichen Welt; beide erscheinen zugleich fallend und greifend, gezogen und zurückgehalten. Die Bildmitte wirkt wie eine gestörte Naht: ein symmetrischer, dunkler Kern, der Nähe verspricht und zugleich trennt. So entsteht ein Beziehungssystem aus Gravitation, Entzug und Schwelle. Halt bleibt eine prekäre Entscheidung im Moment des Übersetzens von einem Körper zum anderen.
Materialität & Verfahren
Die Arbeit basiert auf digitaler Montage und malerischer Überarbeitung. Planetare Bildkörper fungieren als seitliche Bühnenräume, aus denen die Figuren herausgelöst, freigestellt und neu im Zwischenraum verankert werden. Rausch-, Körnungs- und Spiegelungsstrukturen verdichten die Bildmitte zu einem Feld des Widerstands. Zwischen den Figuren arbeitet eine aktive Zone aus Dichte, Irritation und Brechung. Farbinterventionen in Pink-, Grün- und Blauverschiebungen sowie glitchartige Kanten und harte Kontraste destabilisieren die Körper zusätzlich; sie erscheinen partiell übercodiert, markiert, fast von ihrer Umgebung überschrieben. Entscheidend ist dabei die sichtbare Kante: Freistellung, Farbsäume, digitale Artefakte und Brüche legen die Konstruktion des Bildes offen. Verbindung entsteht hier als störanfällige Kopplung über eine Schwelle hinweg; Verschmelzung ist dafür gar nicht nötig. Genau diese Frage nach Halt, Distanz und prekärer Bindung wird in der späteren Leinwandarbeit in eine reduzierte, malerische Raumordnung überführt.
Referenzen
Medium/Tools: Computer; digitale Malsoftware; Bildbearbeitungssoftware Technik: digitale Malerei; digitale Montage; Compositing; Kontrast-, Farb- und Rauschbearbeitung Werkbezug/Entwicklung: Die digitale Bildlogik von Distanz, Schwelle und prekärer Verbindung wird später malerisch und räumlich verdichtet. Bildlogik: Zwei Körper zwischen getrennten Sphären; die Mitte als Störzone und Naht; Verbindung als riskante Kopplung entgegengesetzt einer stabilen Einheit. Kontext-Hinweis: Die digitale Fassung wurde in der Neuauflage von Zwischen den Büchern (2023) für die Untermalung des Stückes "Das Treffen der Welten" verwendet. Im Zusammenhang mit Liebe und Beziehung steht holdON dort für die Möglichkeit einer Begegnung, die Halt verspricht und zugleich den Gefahren ausgesetzt bleibt, die das Universum für solche Begegnungen bereit hält. Distanz, Ungewissheit und die Kräfte zwischen zwei Menschen werden dabei Teil eines Raums, in dem Nähe entstehen, sich verschieben oder wieder verloren gehen kann.
2017.07
Surfin
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
surfin setzt Bewegung als Stellvertreterhandlung: Eine Figur surft durch einen dunklen, fast kosmisch wirkenden Ozean. Die Welle rechts besteht aus einer Wiesen-/Pflanzenfläche — Natur schlägt hier wie Brandung in die Szene. Der Kopf der Figur ist eine Blüte, der Körper trägt florale Einschlüsse; das Ganze wirkt wie ein Hybrid aus Reiseplakat, Traum und Widerstandsgeste. Links sprengt ein greller Lichtpunkt den Horizont und macht die Szene zur Bühne: Glanz, Aufbruch, „irgendwohin“. Unter der Oberfläche steckt ein sehr nüchterner Impuls: Das Bild reist, wenn der Körper nicht reisen kann. Surfen wird so zur Metapher für Umlauf — von Werk zu Ort, von Blick zu Blick — trotz finanzieller Grenze.
Materialität & Verfahren
Die Arbeit basiert auf fotografischem Material, das digital montiert und stark effektiert wird. Wasserfläche, Wellenkante und Figur werden als getrennte Ebenen gebaut; harte Freistellungen, Leuchteffekte und glitzernde Kanten markieren die Kollision der Bildwelten sichtbar statt sie zu verstecken. Pflanzenmotive werden als Textur und Körpermaterial eingesetzt: einmal als „Welle“ (Topografie aus Blüten/Wiese), einmal als Figur (Blütenkopf, botanische Einschlüsse), wodurch das Motiv von Sport/Urlaub in Richtung botanischer Mythologie kippt. Über Strahlen-, Stern- und Kontrastfilter wird die Szene in eine künstliche Nachtästhetik verschoben. Der Strand rückt weg; übrig bleibt etwas wie ein innerer Bildschirm. Das Ergebnis ist eine transportable, reproduzierbare Reiseform — ein Bild, das für Ausstellung und Zirkulation gebaut ist.
Referenzen
Medium/Tools: Fotografie, digitale Bildbearbeitung/Fotomontage Intention/Kontext: als reisefähiges Werk für Ausstellungen gedacht Pflanzen/Index: Caesalpinia pulcherrima · Achillea millefolium · Betula pendula · Taraxacum sect. Ruderalia · Ligustrum vulgare
2019.03
Hurra es ist ein Staubsauger
Analoge Malerei
Werktext
Kurzbeschreibung
Hurra es ist ein Staubsauger kippt Anatomie in Alltagskomik: Eine Profilfigur wirkt wie ein ausgeschnittenes Körperdiagramm. Im Bauch sitzt an der Stelle eines Organs ein knalliges, staubsaugerartiges Zeichen – als hätte der Körper seine eigene Haushaltslogik eingebaut. Der gelbe Hintergrund macht daraus ein Plakatmoment: laut, direkt, ohne Raumtiefe, und dadurch fast schon ikonisch. Innen und Außen bleiben durchlässig; Wirbelsäule und Schädel sind angedeutet, aber nicht „medizinisch“, eher wie eine bewusst vereinfachte Selbsterklärung. Der Witz entlastet das Bild: Selbstbild als Maschine, aber freundlich – gepflegter Humor entgegengesetzt vom Spott.
Materialität & Verfahren
Die Figur entsteht analog mit Öl-Pastell und Buntstift: Öl-Pastell setzt den Körper als weiche, druckvolle Masse in warmen Braun- und Ockertönen, während türkisfarbene Konturen die Silhouette stabilisieren. Buntstift schärft Linien und setzt das Innenzeichen grafisch klar, sodass das „Staubsauger“-Motiv als Piktogramm im Körper lesbar bleibt. Der Hintergrund wird anschließend digital per Fotobearbeitung ergänzt: ein flächiges, einfarbiges Gelb, das den analogen Körper radikal freistellt und die Arbeit in Richtung Poster/Signalbild verschiebt. Dadurch treffen Handspur und digitale Setzung direkt aufeinander: organische Pastelltextur gegen harte, mediale Fläche – genau aus dieser Kollision entsteht der Humor.
2019.07
Sunplant eat World
Digitale Arbeit · Analoge Malerei
Werktext
Kurzbeschreibung
Sunplant eat World setzt Hoffnung und Dystopie in denselben Keim: In einem schwarzen, sternenden Raum wächst eine Pflanze, deren oberer Körper sonnenähnlich wirkt – ein blau-grün leuchtender Kern, der eher Energiequelle als Frucht ist. Zwei grüne Blätter stehen am Stiel wie ein klassisches Versprechen von Beginn und Aufrichtung. Doch unterhalb greifen wurzelartige Fäden in gelbe, Körper - als würden sie von der Sonne oder dem Mond stammen - und zerlegen sie in Bruchstücke – Wachstum wird zu Zugriff. Die Pflanze richtet sich nach Licht und zugleich auf das Verspeisen von Weltmaterie aus: Keimen als Rettung und als Appetit, beides gleichzeitig.
Materialität & Verfahren
Die Arbeit entsteht vollständig analog auf Papier: Öl-Pastellkreide setzt die großen Farbmassen (Schwarzfeld, Gelbformen, sonnenähnlicher Kern) als druckvolle, wachsige Oberfläche; Buntstift schärft Konturen und zeichnet die feinen Wurzel-/Fadenstrukturen. Danach wird das Blatt gescannt und als digitales Gesamtbild nur minimal weitergeführt. Der körnige Kosmos-Eindruck ist dabei der zentrale digitale Eingriff: Er wird im Fotoprogramm als Textur-/Körnungseffekt über das Bild gelegt bzw. verstärkt und verdichtet den Hintergrund zu einem sternartigen Rauschen. So bleibt die Bildlogik handgemacht, während die digitale Körnung den Boden in einen kosmischen „Systemraum“ kippen lässt.
Referenzen
Medium/Tools: Öl-Pastellkreide, Buntstifte auf Papier; Scanner; Computer Digitale Eingriffe: Textur-/Körnungseffekt (Fotoprogramm) Kontext: Bestandteil von Zwischen den Büchern (Neuauflage 2023) Themenachsen: Hoffnung/Keimen Dystopie/Verschlingen; Sonne als Keimkern; Wachstum als Zugriff
2020.01
Tree of All
Analoge Malerei
Werktext
Kurzbeschreibung
Tree of All setzt Natur als Zeichenmaschine: Ein dunkler, kohliger Stamm teilt das Bild wie eine Bruchlinie, links wachsen farbige Felder in Grün, Türkis und glühendem Orange/Pink zu einer Art Krone oder Energieschub. Rechts verdichtet sich eine bräunliche Form zu etwas, das plötzlich lesbar wird – als würde aus organischer Materie ein „Daumen hoch“ auftauchen. Dadurch kippt das Bild zwischen Landschaft und Geste: Natur wird Umgebung, Signal, Zustimmung und vielleicht sogar ironisches Feedback. Die Komposition hält beides offen: Wachstumsbild und Piktogramm, Hoffnung und Kommentar.
Materialität & Verfahren
Kohle legt den Stamm und die Schraffuren an und baut damit das tragende Gerüst: rau, dunkel, mit sichtbarer Reibung im Papier. Ölkreide setzt darüber die Farbkörper – links die leuchtenden Übergänge von Gelb/Orange zu Pink, darüber grün-türkise Zeichenformen und ein spiraliges Zentrum, das wie Wirbel oder Kern wirkt. Die rechte Seite bleibt erdiger: braune Ölkreide modelliert eine massige, fast fleischige Struktur, deren Konturen so geführt sind, dass der Daumenhoch-Eindruck entstehen kann. Entscheidend ist das Nebeneinander der Register: Kohle als Struktur/Träger, Ölkreide als Energie und Volumen. Der Baum folgt keiner botanischen Genauigkeit. Er funktioniert als lesbares System aus Stamm, Krone und Zeichen.
Referenzen
Medium/Tools: Papier; Kohle (Stamm, Schraffur); Ölkreide (Farbflächen, Körperform)
2020.03
destroyed by hand of apes
Digitale Arbeit · Analoge Malerei
Werktext
Kurzbeschreibung
destroyed by hand of apes lässt Zerstörung mit einem Griff beginnen: Eine große, grob texturierte Hand dominiert rechts den Bildraum und hält ein kleines, fragiles Objekt wie ein Gerät oder einen Kern. Von links führt ein System aus farbigen Leitungen heran – pink und grün – das an Versorgung, Kreisläufe oder technische Abhängigkeit erinnert. In der Mitte sitzt ein beschrifteter Knotenpunkt („C4“, „TNT“), der die Gefahr wie ein Etikettensystem ordnet. Der Raum um die Szene ist dunkel, aber voller Riss- und Splitterspuren: Das wirkt zugleich wie kosmisches Feld (Milchstraße/Universum) und wie eine weiße Vene, also ein Körperinneres. Genau diese Doppelbelichtung macht das Bild unangenehm präzise: Gewalt als kosmische Geste und als Eingriff in ein Kreislaufsystem.
Materialität & Verfahren
Die Arbeit beginnt analog auf schwarzer Pappe mit weißer Kreide und Metallic-Stiften: Hand, Objekt und Leitungen werden als materielle, kratzige Setzungen aufgebaut, wobei der dunkle Träger die Formen wie aus einem Nichts herausarbeiten lässt. Danach wird das Bild gescannt und im Fotoprogramm weiterkomponiert. Wichtig: Die Riss-/Schraffurstruktur im Hintergrund wird digital zum Universum bzw. zur Milchstraße verstärkt; Papier- und Kreidespuren bilden dafür nur einen Teil des Ausgangsmaterials. Dadurch entsteht ein Hintergrund, der gleichzeitig Raumtiefe (Kosmos) und Körperlogik (weiße Vene) anbietet. Die digitale Bearbeitung trennt außerdem den Schwarzraum von der Objektzone stärker, sodass Hand und Leitungen wie ein Eingriff in ein „Systemfeld“ wirken, nicht wie ein isoliertes Motiv.
Referenzen
Medium/Tools: schwarze Pappe; weiße Kreide; Metallic-Stifte; Scanner; Computer/ Fotoprogramm Digitale Eingriffe: Hintergrund-Textur als Universum/Milchstraße (Riss-/Venenlesart), Rausch-/Körnungsschichten, Kontrast-/Tonwertverdichtung, Compositing Bildlogik: Hand als dominanter Eingriff; Leitungen als Kreislauf/Versorgung; „C4“/ „TNT“ als Warn- und Gewaltmarker; Hintergrund als Kosmos Vene
2020.08
Demeters Bloodspread
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
Ein hochformatiges abstraktes Digitalbild auf schwarzem Grund. Die Fläche ist von weißen, wirbelnden und kratzartigen Strukturen durchzogen, die an gescannte Stahlwolle, Rauch, Staub oder aufgeriebene Kreide erinnern. Darüber liegen zahlreiche weiche, kreisförmige Lichtflecken in Gelb, Orange, Weiß und Rot, wie unscharfe Reflexe oder Lichter in Bewegung. Im Zentrum verläuft eine unregelmäßige, senkrechte dunkle Form von oben nach unten. Sie wirkt wie eine aufgerissene oder ausgeschnittene Silhouette und ist teilweise von farbigen Lichtkreisen überlagert. Die Figur kann als Demeter gelesen werden: Sie trägt einen Krug und gießt eine rote Flüssigkeit, die als Blut erscheint, auf eine junge weibliche Gestalt. Dies verweist auf Fruchtbarkeit. Im unteren linken Bereich liegt ein großer roter Kreis. In ihm ist die junge Frau zu sehen. Sie liegt ausgestreckt auf einem mauerartigen, etwa rumpfhohen Gebilde, das als Blut erscheint. Die Darstellung wirkt glänzend, körperlich und zugleich verfremdet. Unten rechts befindet sich ein kleines orange-grünes Monogramm oder Zeichen. Der Gesamteindruck ist kontrastreich, rau und bewegt. Das Bild wirkt zugleich technisch, materiell und körperlich.
Materialität
Stahlwolle, fotografiert und eingescannt; digitale Bildkomposition
Verfahren
Computer, Kamera, Bildbearbeitung
2020.10
TIKI - Buchcover
Digitale Arbeit · Fotografie · Layoutgestaltung · Typografie
Werktext
Kurzbeschreibung
TIKI setzt auf Zuspitzung statt auf erzählerische Öffnung. Das Cover ist in eine harte Rot-Schwarz-Dramaturgie gelegt, die zuerst alarmiert und erst danach illustriert. Rechts dominiert der Titel in übergroßen roten Lettern auf schwarzem Grund; die Buchstaben drängen sich als Bildkörper in den Blick. In die rechte Bildhälfte sind zwei angeschnittene Gesichter montiert, die nur teilweise sichtbar werden und dadurch zwischen Beobachtung, Bedrohung und Projektionsfläche kippen. Links steht dem die Rückseite mit rauer, körniger Rotfläche entgegen: oben ein schwarzes Textfeld, unten ein kleines Autorenporträt. Das Cover teilt Vorder- und Rückseite in zwei Register: typografische Setzung auf der einen, biografische Verortung auf der anderen. Das Bild erzeugt eine verdichtete Stimmung aus Kontrolle, Unruhe und Spaltung; eine glatte Thriller-Oberfläche würde dazu kaum passen.
Materialität & Verfahren
Die Gestaltung basiert auf fotografischen Bildquellen, die digital stark kontrastiert und farblich auf ein reduziertes Schwarz-Rot-Spektrum zugespitzt werden. Die Gesichter erscheinen als freigestellte Fragmente, die in die Typografie eingeschoben sind; dadurch wird die Schrift selbst zum Spannungsträger. Der Hintergrund der Rückseite arbeitet mit körniger Textur statt glatter Fläche und verschiebt das Cover aus neutraler Buchgestaltung in eine bewusst aufgeladene Reizoberfläche. Die Mittelachse des Buchrückens stabilisiert diese Reibung formal; die Serifenschrift zielt auf Setzung und Widerstand, nicht auf Eleganz. Aus der Beschränkung auf Rot, Schwarz, Anschnitt, Textur und Portrait entsteht eine Dramaturgie, in der der Titel direkt ins Blickfeld greift.
Referenzen
Titel: Tiki: Tintenkiller / TIKI Autor: Jeremias Erdogan Erscheinungsdatum der Kindle-Ausgabe: 10. November 2023 ASIN der Kindle-Ausgabe: B0CN3C5W63 Umfang der Kindle-Ausgabe: 211 Seiten Publisher-Angabe der Kindle-Ausgabe: Books on Demand, 1. Ausgabe Print-Ausgabe: ISBN-13 978-3757892326, BoD – Books on Demand, Erscheinungsdatum 29. Oktober 2023, 204 Seiten Kontext-Hinweis: Das Cover wurde für die spätere Ausgabe übernommen; verändert wurde der Inhalt, nicht die Gestaltung. Die Datierung des Eintrags bezieht sich daher auf die Entstehung des Covers, nicht auf die Neuausgabe des Buches.
2021.03
Blow
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
Blow übersetzt Warteschleife in ein physisches Bild: Ein Mann hängt im Raum, gehalten von einem Schirm, der zugleich Schutz und Parodie ist – seine Form erinnert an einen Büstenhalter, also an Nähe, die hier nur als Konstruktion greifbar wird. Rechts füllt eine weibliche Figur die Fläche, aufgebaut aus Seifenblasen: ein voluminöses, schillerndes Feld, das Nähe verspricht und doch keine feste Oberfläche bietet. Der Mann hängt in dieser Blasenwelt wie in einem fremden Rhythmus – weder drin noch draußen, eher aufgehängt als umarmt. den Streben des Schirms kreisen kleine Pferde: sie wirken wie Gedankenkarussell, zugleich verrückt machend und antreibend — Mutmacher und Unruhequelle in einem. So wird das Gedichtthema (Kummer, Nicht- Antwort, Freundschaft verwehrt) zur Bildlogik: Halt an etwas Fragilem, Bewegung ohne Ankunft.
Materialität & Verfahren
Die Arbeit ist digital konstruiert und arbeitet mit transparenter Schichtung. Die Seifenblasenfigur entsteht aus wiederholten Kreisformen und Überlagerungen, die Volumen simulieren, ohne Material zu geben: Körper als Effekt. Der Mann ist als Silhouette gesetzt und in die Blasenatmosphäre eingepasst; seine Position bleibt bewusst instabil, als würde die Schwerkraft an einem einzigen Punkt hängen. Der Schirm/BH- Hybrid fungiert als zentrales Interface: Gitterstreben werden grafisch betont, damit sie wie Halterung und Käfig zugleich wirken. Die Pferde sind als wiederholte Zeichen entlang der Streben montiert; ihre Kreisbewegung wird über Reihung und Rhythmus suggeriert statt erzählerisch gezeigt. Farbflächen und Muster (zellige Texturen, weiche Hintergründe) lassen das Ganze wie ein psychisches Diagramm wirken: Begehren als Konstruktion, Wartezeit als Schwebezustand.
Referenzen
Lyrischer Bezug: „Nullnummer“ Bestandteil von Zwischen den Büchern (Neuauflage 2023) Komposition: Mann in/bei Seifenblasen-Figur; Schirm in BH-Anmutung; Pferde an den Streben als Kreis-/Karussell-Symbol (Unruhe Mut) Technik: digitale Illustration/Montage, transparente Kreis-Overlays (Seifenblasen), Silhouettenarbeit, Reihung/Rhythmus als Bewegungsersatz
2021.03
Tapesalat
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
Tapesalat macht „Verheddern“ zur Physiognomie: Ein Gesicht blickt frontal, glatt und fast synthetisch, doch über der Stirn sitzen zwei Tonbandspulen wie Augenaufsätze – Denken als Abspielgerät, Erinnerung als Mechanik. Hinter und um den Kopf wuchert blaues Bandmaterial in Schleifen, Knoten und Schlieren; es wirkt wie ein Nervensystem aus Kassette, das den Raum füllt. Die Figur bleibt ruhig, fast maschinenhaft, während die Umgebung den Kontrollverlust zeigt: Band, das sich nicht mehr sauber aufwickeln lässt. So kippt das Motiv zwischen Ordnung und Störung: Identität als Playback, Bewusstsein als Bandlauf, Fehler als Struktur.
Materialität & Verfahren
Die Arbeit kombiniert 3D/Render und Fototextur. Das Gesicht wird digital erzeugt (Nomad-App als Modellbasis, Weiterverarbeitung/Inszenierung in Blender) und anschließend in GIMP mit fotografischen Materialien zusammengesetzt. Die Tonband-/ Tape-Elemente stammen aus realem Band, das eingespannt und fotografiert wird; durch die Aufnahme bleiben Glanz, Knicke und physische Spannung sichtbar. Cassette/Spulen werden als grafisch klare Objekte integriert, um den Kopf wie ein Gerät zu „aufrüsten“. Scan/Computer dienen der Überführung und Schichtung: Farbbalance, Kontraste und Kanten werden so geführt, dass die künstliche Glätte des Gesichts mit der chaotischen Materialspur des Bandes kollidiert. Ergebnis: ein hybrides Porträt, in dem das Analoge (Band) den Störraum liefert und das Digitale (Face/Render) die kontrollierte Oberfläche.
Medium/Tools: Foto; Computer; Scanner Software: Nomad (Gesicht/Modell), Blender (3D/Inszenierung/Render), GIMP (Compositing/Bildbearbeitung) Materialien/Index: Tape/Band (eingespannt & fotografiert), Cassette/Spulen (Tonband) Technik: 3D-Render + Fototexturen, Montage/Layering, Farb- und Kontrastabgleich, Kanten-/Glanzbetonung
2021.05
Cubic Alien
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
Cubic Alien zeigt ein Wesen, das wie in einem Behälter denkt: Ein transparenter Quader rahmt die Szene als Labor, Vitrine oder Käfig. Darin sitzt eine vereinfachte, fast spielzeughafte Kopf-Figur mit Schnabel-/Keilform und einem einzelnen, konzentrierten Auge – mehr Interface als Gesicht. Im Inneren hängt ein dunkler, kugelartiger Körper, der wie Kern, Organ oder Gegengewicht wirkt. Alles ist von Türkis und kaltem Blau durchzogen; die Oberfläche wirkt glatt, aber zugleich „verkratzt“ und gebraucht. Das Bild kippt zwischen Niedlichkeit und Fremdheit: ein Alien als kontrolliertes Objekt, das in seiner Box zugleich geschützt und isoliert ist.
Materialität & Verfahren
Ausgangspunkt sind fotografische Aufnahmen von Stahlwolle bzw. stahlwollartigen Strukturen, die als Texturmaterial dienen und im digitalen Compositing in den Quaderraum eingebettet werden. Der Quader wird als transparente Rahmenform konstruiert, die Kanten, Ecken und Durchblicke sichtbar macht und die Tiefenwirkung über Überlagerungen erzeugt. Die zentrale Figur wird aus vereinfachten Volumen aufgebaut und anschließend farblich in eine kalte Palette verschoben; Glanzstellen, Schatten und harte Kanten betonen den Eindruck eines synthetischen Körpers. Kamera/ Computer bilden hier eine Doppelspur: Fototextur bringt physische Unruhe, digitale Bearbeitung baut den „Container“ und die künstliche Anatomie. So entsteht ein Bild, das Material (Stahlwolle) in eine technische Erzählung übersetzt: Innenleben als Objekt im transparenten System.
Referenzen
Medium/Tools: Kamera, Computer Material/Index: Stahlwolle (Fototextur/Strukturmaterial) Formprinzip: transparenter Quader/Container als Bildraum (Vitrine/Labor/Käfig) Technik: digitale Montage/Compositing, Farbverschiebung in kühle Palette, Kanten-/Glanzbetonung, Tiefenwirkung durch Überlagerung
2021.09
Bath
Digitale Arbeit · Aquarell
Werktext
Kurzbeschreibung
Bath setzt Entspannung an einen unmöglichen Ort: Eine Badewanne liegt wie ein Inselkörper auf einer dunklen Wasserfläche; um sie herum scheint der eigentliche Raum verschwunden. Darin ruht eine grünliche Figur, ausgestreckt, die Pose eindeutig privat und gelassen – doch die Umgebung bleibt kalt, schwer, fast endlos. Das Wasser in der Wanne ist hell und klar, der See darunter schwarz und körnig: zwei Flüssigkeiten, zwei Stimmungen, ein Bruch. Die roten Flecken auf der Haut wirken wie kleine Störungen im Ruhebild – nicht laut, eher wie Signale, die man im Vorbeigehen übersieht. So entsteht ein Bild über Rückzug, der offen daliegt und dadurch verletzlich wirkt: Intimität als exponierte Szene.
Materialität & Verfahren
Badewanne und Figur sind analog gearbeitet: Aquarell baut die Flächen (Wanne, Wasser, Körper) in weichen Übergängen auf, Buntstift schärft Konturen und Details, und eine rote Öl-Pigmentierung setzt punktuelle Flecken als physische Akzente auf der Figur. Der Hintergrund stammt aus einem Foto eines Sees aus deinem eigenen Bestand und wird digital bearbeitet: Tonwerte werden abgedunkelt und die Textur so geführt, dass eine schwere, körnige Wasserhaut entsteht, die die Wanne wie ein ausgeschnittenes Objekt trägt. Durch diese Montage prallen zwei Materialregister aufeinander: Handgemalte, warme Körperlichkeit gegen fotografische Tiefe und Kälte. Genau daraus kommt die Spannung des Bildes.
Referenzen
Medium/Tools: Aquarell, Buntstift, rote Öl-Pigmentierung; Kamera/Fotobestand; Computer/Bildbearbeitung Bildquelle Hintergrund: eigenes Foto (See), digital abgedunkelt/texturiert Technik: analoge Malerei/Zeichnung + digitale Montage (Compositing), Tonwert-/ Textursteuerung
2022.01
Feuertanz
Digitale Arbeit · Analoge Malerei · Aquarell
Werktext
Kurzbeschreibung
Feuertanz zeigt Gemeinschaft als Ausschnitt: Ein Bauwagen steht frontal im Bildraum, fast wie ein kleines Theater. Durch das große Fenster sieht man ein Feuer als rotes Zentrum, davor eine Kette schwarzer Figuren, die sich an den Händen halten und im Kreis tanzen – reduziert auf Silhouetten, aber eindeutig als Ritual lesbar. Das kleinere Seitenfenster wirkt wie ein zweiter Blickkanal: ein stiller Nebenraum. Er erklärt nichts; er hält den Blick nur fest. Außen herum beginnt ein digitaler, dunkler Hintergrund mit Störungen und Farbfeldern – als würde die Welt außerhalb des Wagens aus Rauschen, Erinnerung und Restlicht bestehen. So wird das Feuer zum Innenraum der Wärme, und das Bild zeigt, wie Nähe überhaupt erst durch Rahmung entsteht.
Materialität & Verfahren
Die zentralen Elemente sind analog angelegt: Bauwagenform, Fensterflächen und das Feuerbild werden mit Aquarell und Deckweiß auf weißem Papier gearbeitet, die Kanten teils bewusst unrein, damit Handspur sichtbar bleibt. Schwarze Pappe dient als Kontrastmaterial bzw. als dunkle Fläche, die später fotografiert/eingebunden wird. Anschließend werden die Teile per Kamera digitalisiert und am Computer zusammengesetzt: Der Hintergrund wird digital erzeugt/überlagert, mit körnigen Texturen, dunklen Flächen und farbigen Störzonen, die die analoge Szene wie eine Insel im Bild halten. Das Fenster und das „Bauwagenloch“ sind dabei die entscheidenden Schnittstellen. Als Rahmen im Rahmen halten sie den Tanz um das Feuer wie eine beobachtete, eingeschlossene Bewegung fest.
Referenzen
Medium/Tools: Kamera, Computer Analoge Materialien: Aquarell (Aquarellzubehör), Deckweiß, weißes Papier, schwarze Pappe Digitale Eingriffe: Compositing/Montage, digitaler Hintergrund (Textur-/ Rauschflächen, Farbstörungen) Motivische Setzung: Fenster + Bauwagenöffnung als Blickkanäle; Silhouettenkette als "Feuertanz - Ritual".
2022.01
Zombie - digitale Edition
Digitale Arbeit · Analoge Malerei
Werktext
Kurzbeschreibung
Zombie zeigt das Motiv in einer frühen, noch grafisch verdichteten Form: Ein Gesicht taucht aus schwarzer Fläche auf und wird von einem Kranz aus Händen umstellt. Die Hände sind in dieser Fassung noch deutlich als Hände erkennbar. Durch ihre Wiederholung verlieren sie jedoch ihre Individualität und bilden ein serielles Zugriffsmuster – einen Druck, der von allen Seiten auf das Zentrum gerichtet ist. Zwischen den grotesk wirkenden Zähnen liegt ein Knochen mit fleischartigen Resten. Der Schädel scheint ihn festzuhalten oder nach ihm zu greifen; der Mund wird dadurch zugleich zu einer Zone von Nahrung, Blockade und körperlicher Bindung.
Eine weitere Ebene der Arbeit entstand aus Erfahrungen meiner Tätigkeit als Pflegefachassistent im Seniorenheim und der Begleitung sterbender Menschen. Nähe kann dort sehr unterschiedliche Formen annehmen: Liebe und Zuneigung stehen neben Rückzug und Abschottung; bei Menschen mit Demenz kann sich zudem die Wahrnehmung von Nähe, Gegenwart und Beziehung verändern. Tod erscheint dadurch nicht ausschließlich als abstraktes Ende, sondern als körperliche und zwischenmenschliche Situation.
Hinzu kam die Besichtigung der Catacombes de Paris. Das unmittelbare Nebeneinander menschlicher Gebeine wurde für mich zu einem eigenartig widersprüchlichen Bild. Unabhängig von der historischen Ursache ihrer Anordnung entstand in meiner persönlichen Wahrnehmung die Vorstellung, dass die Toten dort nicht allein liegen. Gerade diese eigentlich abstruse Lesart konnte wie ein letztes Zeichen von Nähe oder Verbundenheit erscheinen.
Aus diesen Eindrücken entwickelte sich die Idee einer „Fleischesliebe“, die aus mehreren Perspektiven betrachtet wird. Für die Maden ist das verbliebene Fleisch Nahrung und Lebensgrundlage; sie entfernen das letzte Fleisch vom Knochen. Der Schädel hält den Knochen zwischen seinen Zähnen und erscheint selbst als Teil dieser körperlichen Beziehung. Der Betrachter wiederum steht außerhalb dieses Zusammenhangs und erkennt darin zunächst kaum Liebe, sondern Verfall, Ekel und Entsetzen. Gerade dieser Widerspruch ist wesentlich für die Arbeit: Was innerhalb eines biologischen oder körperlichen Kreislaufs Verbindung bedeutet, erscheint von außen als Horror.
Materialität & Verfahren
Die Arbeit ist auf schwarzer Pappe angelegt; ihr Dunkel trägt die Bildmasse aktiv mit. Weiße Kreide setzt Hände, Konturen und Schraffuren als kratzige, nervöse Spuren, während Metallic-Stifte punktuelle Glanzzonen und farbige Reibung im Gesicht und in der Mund-/Objektzone erzeugen. Die Formen wirken, als seien sie aus der dunklen Fläche herausgelöst oder freigekratzt. Im Anschluss wird die analoge Vorlage gescannt und digital weiter verdichtet: Kontraste, Körnung und Kantenführung werden so bearbeitet, dass die Spannung zwischen Fläche und Figur zunimmt. Entscheidend ist hier der optische Druck des Bildes – Zeichen, Wiederholung und Blockade. Genau diese grafische Verdichtung wird in der späteren Reliefarbeit in materiellen, haptischen Druck übersetzt.
Referenzen
Medium/Tools: schwarze Pappe; weiße Kreide; Metallic-Stifte; Scanner; Computer Technik: analoge Zeichnung/Malerei auf dunklem Träger; Scan; digitale Komposition und Kontrastverdichtung Werkbezug/Entwicklung: Vorläufer von 2024.11 „Zombie“; die Bildlogik von Händen, Zugriff, Knochen und blockierter Mundzone wird später als Relief materiell ausformuliert Bildlogik: Hände als Zugriffsmuster; Knochen zwischen den Zähnen; Mundzone als Blockade und körperliche Bindung; sozialer Druck durch Neid und Missgunst – zunächst grafisch, später haptisch Inhaltlicher Bezug: Erfahrungen aus der Begleitung sterbender Menschen; Nähe und Abschottung; Demenz; persönliche Wahrnehmung der Catacombes de Paris; „Fleischesliebe“ als widersprüchliche Verbindung von Körper, Nahrung, Verfall und Nähe
2022.02
Steamworld
Digitale Arbeit · Analoge Malerei
Werktext
Kurzbeschreibung
Steamworld zeigt eine Landschaft wie ein stillgelegtes Bühnenbild: ein gelbes, weit aufgezogenes Feld, darüber eine blasse Himmelsfläche, links ein großer, runder Körper wie Planet oder Lampe. Im Vordergrund steht eine improvisierte Möblierung – Stuhl und Tisch – als wären Alltag und Pause in eine Zone geraten, die nicht mehr wirklich bewohnbar ist. Daneben sitzt ein technisches Hybridwesen: ein Gerät/Körper mit Schraubenschlüssel-Bein, drahtiger Gliedmaße und einem kleinen Display als Kopf. Im oberen Bildraum schweben zahnradartige Kreise und violette Flecken wie Signale, Interface-Icons oder entfernte Maschinenprozesse. Das Bild hält die Spannung zwischen Idylle und System: eine Picknick-Szene, die von Technik, Kontrolle und Fremdheit überlagert wird.
Materialität & Verfahren
Die Arbeit entsteht als hybride Collage: einzelne Elemente werden zunächst analog gemalt (Aquarell-/Papierflächen, Objekte, Texturen) und anschließend fotografisch/digital zu einer Szene montiert. Die unterschiedliche Materialität bleibt sichtbar – Papierkanten, Malspuren und wechselnde Körnungen erzeugen ein bewusst „zusammengesetztes“ Raumgefühl. Digital werden die Ebenen präzise positioniert und in Kontrasten sowie Lichtwerten angeglichen, ohne die Brüche zu glätten: Vordergrund (dunkles Raster mit grünen Setzungen) und Hintergrund (gelbe Weite) bleiben als getrennte Zonen lesbar. Effektsetzungen und Überlagerungen (leichte Transparenzen, weiche Verläufe, grafische Einblendungen im Himmel) verstärken den Eindruck einer Welt, die gleichzeitig Landschaft und Interface ist. „Steamworld“ wirkt dadurch wie eine Versuchsanordnung: Alltag als Requisite, Technik als Figur, Raum als System.
Kontext-Hinweis
Das Werk ist in Zwischen den Büchern erschienen (Neuauflage 2023).
2022.02
verschaukelt
Digitale Arbeit · Analoge Malerei
Werktext
Kurzbeschreibung: verschaukelt zeigt eine Figur im Zustand der Umkehr: kopfüber im Bildzentrum, gehalten* von einem strengen, portalartigen Rahmen, als wäre der Raum selbst eine Vorrichtung. Aus dem Kopfbereich bricht ein grelles Licht, das Individualität überstrahlt und die Figur zur Trägerform einer Funktion macht – Versuchung, Belehrung, Ritual. Um den oberen Querbalken legen sich weiße Blüten wie ein Kranz oder Siegel; sie wirken zart, aber auch wie Dekor, das etwas fixiert. Der Körper bleibt zwischen Pflanze und Anatomie gespannt, an der Taille verdichtet sich ein violettes Feld wie Panzerung oder Schamzone. Aufrichtung endet hier in ihrer eigenen Umkehrung: ein Bild, das Kontrolle als Inszenierung sichtbar macht.
Materialität & Verfahren
Die Arbeit entsteht als hybride Collage: einzelne Bildelemente werden zunächst analog auf farbigem Papier gemalt und anschließend fotografisch/digital in einer Bildkomposition positioniert. Dadurch bleibt eine doppelte Materialspur im Bild: gemalte Flächen mit eigener Körnung und Kante treffen auf einen konstruierten, streng gesetzten Bildraum. Der dunkle, geometrische Rahmen etabliert Innen/Außen und macht die Figur zur „eingehängten“ Erscheinung; der goldene Grund wirkt wie Patina oder Ikonenfeld und lädt das Setting mit einer künstlichen Feierlichkeit auf. Im Anschluss greifen Lichtstrahlen, Glühen, Verdichtungen und Kontraste sichtbar in die Szene ein. Sie zwingen den Blick ins Zentrum und verstärken die Logik von Verführung durch Glanz und Festsetzung durch Rahmung. Das „Verschaukeln“ steckt im Motiv und ebenso in Montage und Effekt-Setzung; beides baut zusammen das System des Bildes.
Kontext-Hinweis
Das Werk ist in Zwischen den Büchern erschienen (Neuauflage 2023).
2022.03
facial
Digitale Arbeit · Analoge Malerei
Werktext
Kurzbeschreibung
facial zeigt ein Gesicht als Bruchstelle: links warm und menschlich modelliert, rechts in Graustufen wie ein freigelegtes System – Schädel, Maske, Maschine. Ein einzelnes Auge bleibt lebendig und direkt, während die rechte Seite von einer Display-Anzeige ersetzt wird; Kabelstränge ziehen sich über den Nasenrücken wie eine provisorische Reparatur. Der Mund kippt zwischen Ausdruck und Defekt: Zähne werden zu Mechanik, Farbe zu Abrieb, Sprache zu Störung. Ein schwarzer, kratziger Strudel bildet den Hintergrund und rahmt das Porträt wie eine Explosion von innen nach außen. So zerlegt sich Identität in einen zusammengesetzten Zustand: halb Körper, halb Interface.
Materialität & Verfahren
Die Arbeit beginnt analog: Buntstift und Öl-Pastell setzen unterschiedliche Register gegeneinander – Buntstift für Linien, Kontur und Zeichnung, Öl-Pastell für Schicht, Druck und schmierige Übergänge. Die linke Gesichtshälfte nutzt warme Töne und weichere Verläufe, die rechte arbeitet mit grauen, stumpferen Flächen und scharfkantigen „Ausbrüchen“, die wie Risse oder Ausfransungen wirken. In der digitalen Bearbeitung werden diese Gegensätze verdichtet: Kontraste, Überlagerungen und Texturverstärkungen treiben die Spaltung nach vorn, und die technischen Elemente (Ziffern-Display, Kabel/Leiterbahnen) werden als Eingriff in die Physiognomie lesbar gemacht. Wichtig ist: Das Digitale entscheidet den Moment, in dem das Gesicht endgültig zur Konstruktion wird. Die Montage bleibt sichtbar und zieht daraus ihre Spannung.
2022.03
slowlife
Aquarell
Werktext
Kurzbeschreibung
slowlife hält einen Innenraum als Ruhezone fest: ein Tisch vor einem großen Fenster, draußen ein grün überbelichtetes Blattwerk, das wie weichgeriebene Zeit wirkt. Auf der Tischfläche liegen kleine Dinge in stiller Ordnung – Gefäß, Tasse, eine Schale mit warmen Formen –, darüber sitzt eine ungewöhnliche, schildartige Gestalt, halb Tier, halb Objekt, als hätte sich etwas Fremdes in die Häuslichkeit eingeschrieben. Das Fenster arbeitet wie eine Lichtmaschine: Es flutet den Raum, nimmt Konturen zurück und lässt das Stillleben zwischen Alltag und Traum kippen. Das Bild wirkt wie eine Übung in Langsamkeit, die gleichzeitig zeigt, wie fragil diese Langsamkeit ist.
Materialität & Verfahren
Aquarell setzt die Grundstimmung: lasierende Grün- und Gelbtöne bauen das Außen als flirrende Fläche auf, während warme Braun- und Ockertöne den Tisch und die Architektur verankern. Buntstift greift punktuell ein, um Kanten, Muster und kleine Gewichtungen zu schärfen – vor allem an der zentralen Gestalt und den Objekten im Vordergrund. Die Perspektive bleibt bewusst einfach und frontal: Tisch als Bühne, Fenster als Überlicht, Dinge als Marker. Durch den Kontrast aus weichen Lasuren (Hintergrund) und trockeneren, grafischeren Setzungen (Details/Muster) entsteht eine Spannung zwischen Auflösung und Halt. Die Ruhe des Stilllebens trägt eine Balance aus Licht, Aufmerksamkeit und einem leichten Unbehagen.
2022.06
Das Ende einer Ära
Digitale Arbeit · Analoge Malerei
Werktext
Kurzbeschreibung
Das Ende einer Ära inszeniert einen Machtwechsel als Collagekörper: Links steht eine ägyptisch anmutende Figur mit Ankh in der Hand – Symbol für Ordnung, Dauer, Ritual. Rechts dominiert ein hybrides Wesen aus Pflanzen- und Objektfragmenten: pelzige Masse wie Fell oder Samenwolle, kaktische Glieder als Stützen, oben stachelige Kugelblüten wie ein Kranz aus Abwehr. Im Hintergrund öffnet sich ein schwarzes Dreieck wie Portal oder Keil, das die Szene in „davor/danach“ spaltet; alles wirkt wie Bühne für einen Übergang, der nicht sanft ist. Die Erzählung läuft über Materialkonflikte: Kulturzeichen gegen organisches Wuchern, Hierarchie gegen Mutation. „Ära“ wird hier als Formfrage sichtbar — wer definiert den Körper der Zukunft?
Materialität & Verfahren
Die Arbeit ist als hybride Bauweise angelegt. Pflanzenmotive stammen aus eigenen Fotografien und werden als Bauteile montiert: Texturen von Kaktus, sukkulenten Körpern und kugeligen Blütenständen werden skaliert, geschnitten und zu einem Wesen zusammengesetzt, dessen Anatomie aus Botanik entsteht. Ergänzend kommen analoge Elemente hinzu: weiße Kreide auf Pappe liefert Zeichenspuren, die eingescannt und digital „rausgekitzelt“ werden, sodass nur die Schraffur/Spur als Layer übrig bleibt. Auch die Hintergrundflächen basieren auf bemalter Pappe (schwarz/hell), die gescannt und als Texturgrund verwendet wird; das schwarze Dreieck fungiert als klar gesetzter Träger für die extrahierte Schraffur und als bildräumliches Signal. Digital werden alle Ebenen in Kontrast, Kanten und Farbraum angeglichen, ohne die Schnittstellen zu verstecken. Die sichtbare Montage ist Teil des Inhalts — das Ende einer Ära erscheint als Zusammensetzen von Resten und Symbolen; eine glatte neue Ordnung entsteht daraus nicht.
Referenzen
Medium/Tools: weiße Kreide; Scanner; Computer; schwarze & helle bemalte Pappe (gescannt als Hintergrund/Textur, Dreieckform) Bildquellen: Pflanzenfotos (selbst aufgenommen) Pflanzen/Index: Echinops sphaerocephalus · Mammillaria crinita / M. pringlei · Echinocereus roemeri · Sempervivum · Euphorbia obesa · Euphorbia erythraea Technik: digitale Montage/Compositing, extrahierte Kreideschraffur als Layer, Texturaufbau aus gescannter Pappe, Skalierung/Freistellung der Pflanzenfragmente
2022.09
Showbiz on Animal Farm
Digitale Arbeit · Analoge Malerei
Werktext
Kurzbeschreibung
Showbiz on Animal Farm organisiert ein Tier-Theater als Schichtsystem. Im Zentrum steht ein flamingoartiges Wesen, groß und frontal präsent. Seine ausgebreiteten Flügel lösen sich von natürlicher Anatomie und werden zu einer Bühne im Bild. Davor und zugleich in es eingelassen erscheint eine löwenartige Form als transparente, empfindungsfähige Schutzfläche – ein durchlässiger Schild, der auf das Geschehen reagiert. In der Brustzone des Flamingos beziehungsweise im Bereich dieser Schutzfläche sitzt ein Wappen mit Schweinskopf: ein Zeichen zwischen Glückssignal, Emblem und Besitzmarkierung. Eine warpartige Streckenperspektive zieht den Raum nach hinten und zwingt die Szene in eine gerichtete Bewegung – als würde alles vorwärtsgeschoben, unabhängig vom eigenen Willen. Sichtbare Abschnitts- und Ebenenlinien legen dabei das Prinzip offen: Show erscheint als Montage aus Rollen, Masken, Überlagerungen und räumlich geführter Inszenierung.
Materialität & Verfahren
Die Bildteile entstehen zunächst analog auf Papier und Pappe. Aquarell legt die weicheren, transparenten Körperzonen an, insbesondere die löwenartige Schutzform; Ölkreide und Metallic-Stifte setzen Verdichtungen, Glanzzonen und schärfere Akzente in den Flügeln, im Kopfbereich und an der Wappenstelle. Mehrere gemalte Fragmente – Flamingofigur, Löwenform, Wappen – werden anschließend gescannt, digital zusammengeführt und in Transparenz, Kantenführung und Kontrast aufeinander abgestimmt. Der Hintergrund wird digital als verzogene Strecken- oder Förderbandperspektive aufgebaut; lineare Bahnen ziehen den Raum nach hinten und verschränken sich mit dem oberen Bildfeld zu einer forcierten Bühnenperspektive. Zugleich bleiben die Grenzen einzelner Ebenen sichtbar. Diese belassenen Abschnittslinien gehören zur Arbeit und legen ihre Konstruktion offen. Durch den Wegfall des großen Logos konzentriert sich die Inszenierung stärker auf die Binnenstruktur des Bildes: Bühne, Emblem, Schutzform und Bewegungsraum tragen die Logik nun vollständig aus sich selbst heraus.
Referenzen
Medium/Tools: Aquarell; Ölkreide; Metallic-Stifte; Papier/Pappe; Scanner; Computer; digitale Bildbearbeitung/Compositing Technik: analoge Malerei auf Papier und Pappe; Scan; digitale Montage; Transparenzsteuerung; Kontrast- und Kantenbearbeitung; Aufbau eines perspektivisch verzogenen Hintergrundraums Digitale Eingriffe: Layer-Montage; Transparenzsteuerung; Kontrast/Kantenführung; Hintergrund als Warpstrecke/Förderband; belassene Ebenen- und Abschnittslinien
2022.10
Pioneer
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
Pioneer zeigt Navigation als schwerelosen Innenraum: Ein außerirdisches Wesen sitzt wie in einer Cockpit-Kapsel, die eher an eine Membran mit technischen Resten erinnert. Um die Figur hängt ein halbtransparentes, von Materie verstärktes Schiff. Die Hülle verdichtet alles, was sie umschließt. Das Umfeld wirkt wie ein grüner Nebel aus Strömungen und Partikeln. Der Raum ist keine Leere; er fühlt sich wie ein zähes Medium an, durch das man sich schneiden muss. Die Steuerflächen sind reduziert und scharf – wie Blätter mit scharfem Rand – und kontrastieren mit der wolkigen Masse der Hülle. So entsteht ein Bild über Pionierarbeit ohne Pathos: Vorwärtskommen heißt, durch Dichte zu gehen, nicht durch Freiheit.
Materialität & Verfahren
Die Arbeit entsteht digital aus Zeichnung und Modell-/Formarbeit (Zeichenpad/Nomad) und wird anschließend in der Bildbearbeitung verdichtet. Die Figur und die Steuerformen werden als klare, flächige Körper gesetzt, während die Schiffshülle über Transparenzen, Texturüberlagerungen und weiche Kanten als „materieverstärkte“ Zone gebaut wird. Der Hintergrundraum wird über Rauch-/Fluid-ähnliche Strukturen und Lichtadern erzeugt, die Tiefe suggerieren, ohne einen festen Horizont zu geben. Farbreduktion (kühles Grün, Pastellakzente) hält die Szene in einem technischen Traumzustand. Durch die Schichtung entsteht ein System aus Hülle, Medium und Steuerimpuls, das die Zeit/Space-Idee trägt.
Referenzen
Medium/Tools: Zeichenpad; Nomad; Computer/Bildbearbeitung Motiv/Index: außerirdischer Pilot; Raumschiff als semi-transparente, materieverstärkte Hülle; Steuerflächen Technik: digitale Zeichnung/Formsprache, Layering, Transparenzen, Textur-/ Nebeleffekte, weiche Kantenführung, Farbreduktion (Grünraum + Pastellakzente)
2023.03
Mother of the Devil
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
Mother of the Devil zeigt eine Figur als Zeichenkörper: eine dunkelblaue, fast glatte Gestalt steht frontal im Bildraum, die Augen leuchten pink wie kleine Signallichter. Zwei kurze Hörner setzen den Kopf als minimalen Bruch zur „menschlichen“ Silhouette — eher Antenne als Dämonenklischee. Hinter dem Körper hängt eine wolkige, rauchige Masse wie ein Fell, eine Aura oder ein atmosphärischer Mantel, der die Figur gleichzeitig schützt und isoliert. Auf Brust und Bauch liegen kreisförmige Siegel wie eingeprägte Schaltkreise: Symbole, die Zugehörigkeit markieren, aber auch Kontrolle und Programmierung andeuten. Das Bild kippt in Richtung Interface: eine Person, deren Macht über Zeichen, Licht und Oberfläche übersetzt wird.
Materialität & Verfahren
Die Figur wird digital modelliert/angelegt (Nomad App) und anschließend über Zeichenpad und Bildbearbeitung weiter komponiert. Die Hautoberfläche bleibt bewusst glatt und dunkel, damit die leuchtenden Akzente (Augen, Hörner, Siegel) als aktive Signale hervortreten. Die wolkige Hintergrund-/Mantelform entsteht über weiche Textur- und Nebelschichten, die Volumen suggerieren, ohne ein konkretes Material festzulegen. In der Postproduktion werden Kontraste, Glühen und Kanten geführt, sodass der Körper wie aus einem schwarzen Raum herausgeschnitten wirkt und die Symbole als „eingelassene“ Layer lesbar bleiben. Die Konstruktion bleibt sichtbar. Die künstliche Physiognomie trägt die Erzählung über Zeichen, Licht und Oberfläche.
Referenzen
Medium/Tools: Nomad App; Zeichenpad; Computer/Bildbearbeitung Motiv/Index: weibliche Figur; Hörner (Signal/Bruch); leuchtende Augen; Siegel-/Wappen- Kreise auf Brust/Bauch; wolkige Aura/Mantel Technik: digitales Modell/Render, Layering/Compositing, Glow-/Kontrastführung, Nebel-/Textur-Overlays, Farbreduktion (Dunkelblau + Neonakzente)
2023.05
Squirrel
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
Squirrel zeigt ein Eichhörnchen als Dimensionsstörung: Es fliegt durch mein Zimmer – also durch einen Ort, der eigentlich stabil und alltäglich sein soll. Der Kopf erinnert an eine Raumstation oder ein glattes Interface; dadurch kippt das Wesen zwischen Tier und Fahrzeug. Eine rote, glatte Fläche setzt sich als Spannweitenmarkierung in die Komposition. Sie misst den Flug geometrisch, wie ein Körper im Raum. Der Hintergrund ist Wiese/Rasen und steht als Symbol für die „Spielwiese“ meines Arbeitsraums – der Ort, an dem Experimente erlaubt sind und Regeln verhandelbar werden. So verbindet das Bild zwei Ebenen: 2D-Zeichen (Fläche, Bahn, Marker) und 3 dimensionaler Raum (Körper, Zimmer, Durchflug).
Materialität & Verfahren
Die Arbeit entsteht auf dem Zeichenpad und wird am Computer weiterbearbeitet. Die Form des Eichhörnchens wird bewusst hybrid konstruiert: organische Anmutung trifft auf glatte, technische Flächen (v. a. der kopfartige „Stationskörper“). Die rote Fläche fungiert als steuernder Vektor und als „Beweisstück“ für Bewegung/Spannweite – eine visuelle Messung statt Illustration. Der Rasen-Hintergrund dient als symbolische Arbeits-Spielwiese und macht aus dem Innenraum ein Experimentfeld. Über Layering, Kantenführung und Farbakzente wird das Bild so gebaut, dass es zwischen Zeichen und Raum pendelt – genau dort sitzt die Dimensionen- Idee.
Referenzen
Medium/Tools: Zeichenpad; Computer; digitale Bildbearbeitung Motiv/Index: Eichhörnchen aus anderer Dimension; Kopf als raumstations-/ raumschiffartige Form; rote Spannweiten-/Flugbahnfläche Hintergrund/Index: Wiese/Rasen als Symbol für die „Spielwiese“ des Arbeitsraums Technik: digitale Zeichnung, geometrischer Bewegungsmarker (rot), Layering/ Compositing, Kontrastführung 2D-Fläche 3D-Volumen
2023.08
Before Phoenix
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
Before Phoenix zeigt einen Moment kurz vor der Form: Ein großes, kantiges Gefäß oder eine Kapsel dominiert die Fläche, innen ausgekleidet mit dunklen, blattartigen Fragmenten wie eine Zone aus verbranntem Material. Aus der Öffnung brechen pinke, fleischig-flauschige Formen heraus – als würden organische Teile gerade erst zusammensetzen, fallen, wieder auftauchen. Der Bildraum ist hell und nervös: feine Risslinien, Kreisspuren, elektrische Adern im Hintergrund lassen die Szene wie aufgeladenes Vorfeld wirken. „Before“ meint hier einen Zustand kurz vor der Form. Vor dem Phönix liegt eine Montage aus Resten, Energie und unfertiger Körperlichkeit.
Materialität & Verfahren
Die Arbeit entsteht digital in einem kombinierten Workflow: Grundkörper/Volumen werden in Nomad angelegt, am Zeichenpad weiter geformt und in der Bildbearbeitung in Schichten zusammengesetzt. Die Kapselstruktur wird über klare Kanten, Farbbänder und perspektivische Verformung gebaut; die dunklen Innenfragmente wirken wie eingesetzte Texturen/Layer, die Materialität suggerieren (Laub, Ruß, Schicht). Die pinken Formen werden als organische Inserts behandelt: freigestellt, skaliert, teilweise überstrahlt, sodass sie zwischen Körper und Partikel kippen. Im Hintergrund erzeugen transparente Kreise und feine Riss-/Aderstrukturen eine elektrische Atmosphäre, die das „Vorher“ als Spannungsladung lesbar macht. Sichtbare Übergänge und Überlagerungen bleiben Teil der Aussage: Das Bild zeigt Entstehung als Compositing.
Referenzen
Medium/Tools: Nomad App; Zeichenpad; Computer/Bildbearbeitung Motiv/Index: Kapsel/Gefäß; dunkle Blatt-/Rußfragmente im Inneren; pinke organische Inserts: Hintergrund mit Riss-/Aderstruktur und Kreis-Overlays Technik: digitales Modellieren + Zeichnung, Layering/Compositing, Textur- und Transparenzsteuerung, perspektivische Verformung, Kontrast-/Glow-Akzente
2023.08
Spaceskull
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
Spaceskull macht aus dem Schädel eine Raumkapsel: Eine transparente Knochenlinie schwebt in einer dichten, pinken Sphäre, als wäre der Kopf in ein Feld eingeschlossen, das schützt und gleichzeitig isoliert. Im Inneren laufen massive, technisch wirkende Körper – weiß/grau wie Module oder Träger – durch den Mundraum, begleitet von roten und blauen Punkten, die wie Koordinaten, Marker oder Energiekerne funktionieren. Wo man sonst Leere erwartet, sitzt Struktur: Orbit statt Höhle. Das Bild kippt dadurch zwischen Anatomie und Navigation – Tod als Hülle, Denken als Systemraum, Schädel als Interface.
Materialität & Verfahren
Die Arbeit entsteht digital in einem hybriden Workflow: Grundformen und Volumen werden in Nomad angelegt bzw. modelliert, anschließend am Zeichenpad weiter gezeichnet und in der Bildbearbeitung zusammengesetzt. Transparenzen sind dabei zentral: Der Schädel wird als feine, durchsichtige Kontur geführt, während die inneren Module über Glanz, Schatten und harte Kanten Gewicht bekommen. Die pinke Sphäre entsteht über überlagerte Kreis- und Flächenformen, die Tiefe suggerieren und den Bildraum wie ein Schutzfeld kapseln. In der Postproduktion werden Kontraste, Farbakzente (Rot/Blau) und leichte Textur-/Rauschspuren so gesetzt, dass sich eine kosmische Innenansicht ergibt: Schichtung statt Perspektive, Marker statt Erzählung.
Referenzen
Medium/Tools: Nomad App; Zeichenpad; Computer/Bildbearbeitung Motiv/Index: Schädelkontur (transparent); pinke Sphäre/Kapsel; innere Module/Träger (weiß/grau); Marker/Orbs (rot/blau) Technik: digitales Modellieren + Zeichnung, Layering/Compositing, Transparenzsteuerung, Glanz-/Kantenführung, Farbmarker als Koordinaten/Energiepunkte
2023.10
Wellenritt der Kunst - Buchcover
Digitale Arbeit · Fotografie · Layoutgestaltung · Typografie
Werktext
Kurzbeschreibung
Das Cover von Wellenritt der Kunst greift auf das Motiv der Arbeit Surfin zurück und überführt dessen Bildlogik in die Form eines Buchumschlags. Die surfende Figur mit Blütenkopf, die dunkle Wasserfläche, die pflanzliche Welle und der grelle Lichtimpuls verdichten sich auf der Vorderseite zu einer Oberfläche zwischen Bewegung, Reiz und künstlicher Übersteigerung. Vorder-, Rücken- und Rückseite sind formal getrennt, bleiben aber über den dunklen Grund und die farbige Rückenfläche miteinander verbunden. Die Rückseite nimmt die visuelle Dichte der Vorderseite auf, überführt sie jedoch in ein ruhigeres Textfeld. Das Cover wird damit selbst zu einem bildnerischen Zustand zwischen Reibung, Umlauf und künstlerischer Behauptung.
Materialität & Verfahren
Die Gestaltung basiert auf einer digitalen Übernahme und Weiterverarbeitung des Motivs Surfin, das in das Coverformat übertragen und typografisch neu gefasst wird. Harte Freistellungen, starke Kontraste, Leucht- und Glanzeffekte sowie die sichtbare Kollision unterschiedlicher Bildebenen prägen die Vorderseite. Die Welle erscheint als vegetabile Topografie, während die Rückseite den Klappentext in ein ruhigeres Lesefeld überführt. Entscheidend ist die Spannung zwischen expressiver Bildwirkung und klarer Buchstruktur.
Referenzen
Titel: Wellenritt der Kunst Autor: Jeremias Erdogan Bildreferenz Vorderseite: Surfin (2017.07) Kontext-Hinweis: Das Cover verwendet mit Surfin ein Werk, das auch im Buch selbst enthalten ist, und verbindet so Umschlag und Inhalt unmittelbar miteinander.
2023.11
The Call
Digitale Arbeit · Analoge Malerei
Werktext
Kurzbeschreibung
The Call zeigt Kommunikation als Vorgang im Kopf – wörtlich: Die „Insel“ ist als Kopfprofil angedeutet, ein Denkraum, der wie Landmasse im Bild liegt. Auf diesem Kopf stehen Objekte wie provisorische Infrastruktur: ein schwarzes Telefon/Empfänger-Cluster, zylinderartige Module, zwei helle, gestapelte Gestelle wie Empfangsstationen. Damit wird der Kopf zur Plattform, auf der Signal überhaupt erst möglich wird. Der Hintergrund ist ein kaltes, blaues Netz, das den Raum in Koordinaten zerlegt; das Kopf-Insel-Profil liegt darin wie eine Ausnahme, ein organisches Feld im Raster. „Call“ ist hier ein Kontaktversuch: Denken als Schaltstelle zwischen Innenraum (Kopf) und Systemraum (Netz).
Materialität & Verfahren
Die Arbeit beginnt analog auf Papier/Pappe: Aquarell legt die weichen Grundflächen des Kopfprofils an, Ölkreide baut Dichte und Richtung in die grünlichen Zonen, Metallic- Stifte setzen punktuelle Glanz- und Akzentspuren in die kreisenden Strukturen (wie kleine Denkbewegungen/Signalringe). Einzelobjekte (Telefon/Module/Gestelle) werden als separate Bildelemente gezeichnet/gemalt und anschließend digital zusammengeführt. In der digitalen Komposition wird das Netz als eigener Bildraum aufgebaut bzw. „ausgehoben“ (Netzaushebung): Rasterlinien und ovaler Rahmen definieren eine technische Umgebung, in die das Kopfprofil eingesetzt wird. Kanten und Übergänge bleiben bewusst lesbar und zeigen die Montage offen: Kopf als Insel/Träger, Netz als System, Objekte als Schnittstellen.
Referenzen
Medium/Tools: Aquarell, Ölkreide, Metallic-Stifte; Papier/Pappe; Scanner/Computer; digitale Bildbearbeitung/Compositing Digitale Eingriffe: Netzaushebung/Raster-Overlay, ovaler Rahmeneinsatz, Layer-Montage, Kontrast-/Kantenführung Motiv/Index: Kopfprofil als Insel; Telefon/Empfänger-Objekt; modulare „Türme“/ Gestelle; kreisende Spurfelder als Denk-/Signalbewegung Themenachsen: Ruf/Signal Infrastruktur; Innenraum (Kopf) Systemraum (Netz); Organik Raster
2024.02
Princess Pearl
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
Princess Pearl zeigt eine Figur, die fast vollständig zur Hülle geworden ist: ein tiefblauer, stoffartig gefalteter Körper sitzt im Zentrum wie eine Blüte aus Mantel, Kleid oder Flügeln. Der Kopf ist nur als helle Perle angedeutet – eine glatte, anonyme Oberfläche, die Identität reduziert und zugleich adelt. Um die Figur legt sich ein dreieckiger Rahmen wie ein Reliquiar oder eine Bühne; außen herum ein Kreis aus ovalen Modulen, die an Schuppen, Perlenreihen oder ein technisches Raster erinnern. So entsteht ein Bild zwischen Märchen und Interface: „Prinzessin“ wird zu einem Zustand aus Schutz, Ornament und System.
Materialität & Verfahren
Die Arbeit entsteht digital in einem kombinierten Workflow. In Nomad werden Grundform und Volumen der zentralen Figur als weich gefaltete Masse angelegt; am Zeichenpad werden Details, Kanten und Übergänge weitergeführt, bevor in der Bildbearbeitung die Komposition geschlossen wird. Die Perle wird als glatter Kontrapunkt zur stofflichenm Faltung gesetzt (Glanz/Schattierung als Materialsignal). Rahmen und Außenring entstehen über wiederholte Module und Musterflächen: ein dreieckiges „Innenfeld“ mit feinem Raster und ein kreisförmiger Kranz aus ovalen Elementen, die Tiefe über Wiederholung erzeugen. Transparenzen, Lichtführung und Kontrastverdichtung halten die Figur in der Mitte. Ornament und Trägerstruktur bekommen dabei die Funktion einer Architektur der Präsenz.
Referenzen
Medium/Tools: Nomad App; Zeichenpad; Computer/Bildbearbeitung Motiv/Index: zentrale blaue Faltfigur (Kleid/Blüte/Flügel); „Perlen“-Kopf; Dreieckrahmen (Reliquiar/Bühne); Außenring aus ovalen Modulen (Perlen/Schuppen/Raster) Technik: digitales Modellieren + Zeichnung, Pattern-/Modulwiederholung, Layering/ Compositing, Glanz-/Schattenführung, Kontrastverdichtung
2024.06
holdON - auf Leinwand
Analoge Malerei
Werktext
Kurzbeschreibung
holdON überführt die frühere digitale Konstellation in eine offenere, malerisch verdichtete Beziehungsszene. Wieder stehen sich zwei Körper gegenüber, wieder ist ihre Annäherung von Distanz und Unsicherheit bestimmt; doch die Bildordnung ist nun reduziert und körperlicher gefasst. Eine fragile Verbindungslinie und eine mehrdeutige dunkle Form organisieren das Bild als Schwellenraum zwischen Isolation und Kontakt. Die Mitte bleibt ambivalent: Sie kann als Projektionsfläche für Erwartung, Bedrohung oder Angst gelesen werden und hält die Figuren zugleich auf Abstand wie in Beziehung. Freiheit liegt hier in der Aushandlung – zwischen Schutz und Ausgesetztheit, Innen und Außen, Annäherung und möglichem Verlust.
Materialität & Verfahren
Die Arbeit ist in Acryl auf Leinwand ausgeführt und entwickelt ihre Spannung aus malerischer Setzung, räumlicher Anordnung und gezielter Reduktion. Die planetarischen Formen haben die digitale Montage verlassen und sind nun als malerische Bildkörper gefasst. Sie halten die Figuren an den Randzonen und strukturieren den Zwischenraum. Die fragile Verbindungslinie bleibt eine prekäre Orientierung innerhalb eines instabilen Feldes. Die dunklen Punktsetzungen werden mit dem Zahnstocher in Acryl gesetzt; sie erzeugen eine taktile, leicht verletzliche Spur, die die zentrale Form verdichtet, ohne sie eindeutig festzulegen. Gerade darin liegt derUnterschied zur Version von 2017: Wo dort digitale Artefakte, Rauschen und Kanten die Kopplung als Störung sichtbar machten, wird dieselbe Problematik nun mit malerischen Mitteln verlangsamt und verdichtet. Die Schwelle wird räumlich und materiell aufgebaut; die frühere glitchhafte Unterbrechung steckt als Erinnerung darin.
Referenzen
Medium/Tools: Leinwand; Acryl; Zahnstocher Technik: analoge Malerei; räumliche Setzung von Farbflächen und Figuren; Punktstruktur in Acryl Kursorische Entwicklungskurve: Zwischen 2017 und 2024 verschiebt sich holdON von einer digital konstruierten, sichtbar gestörten Kopplung zu einer malerisch konzentrierten Schwellenstruktur. Die frühe Fassung entwickelt Beziehung aus Montage, Rauschen, Spiegelung und Artefakt – Verbindung erscheint als prekärer Sprung durch einen technisch und visuell aufgeladenen Zwischenraum. Diese spätere Leinwandarbeit übernimmt diese Grundstruktur, reduziert sie jedoch auf wenige, räumlich wirksame Elemente: Sphäre, Figur, Linie, dunkle Mitte. Dadurch wird die Bildidee ruhiger, aber nicht einfacher. Die Störung verschwindet nicht, sie verlagert sich vom digitalen Bruch in die materielle und psychische Wiedersprüchlichkeit des malerischen Raums. hierbei wird holdON aus der Neuauflage von Zwischen den Büchern (2023) für die Untermalung des Stückes "Das Treffen der Welten" reflektiert.
2024.07
Der andere Rabe
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
Der andere Rabe zeigt einen Körper als Hybrid aus Tier, Geste und Werkzeug: Eine rabenköpfige Figur kniet in einer konzentrierten Haltung, als wäre sie in Ritual oder Arbeit versunken. Zwischen den Fingern hält sie eine Feder. Sie wirkt wie Werkzeug und Prüfstein in ihrer Hand. Genau in der Mitte dieser Feder kippt das Organische ins Technische: Die Feder mechanisiert sich zu einem Schlüssel-/Schlossprinzip, und das Schlosswerk wird frontal sichtbar, wie eine geöffnete Mechanik im Kern des Materials. Dadurch wird Schreiben/Zeichnen zu etwas, das zugleich sperrt und öffnet: Feder als Zugang, aber auch als Kontrolle. Die Farbigkeit der Feder wandert in die Umgebung: Pink/Orange/Blau mischen sich, der Körper blutet farblich in sein Umfeld aus. Identität erscheint dadurch als Übergang, dessen Grenze sich auflöst.
Materialität & Verfahren
Die Arbeit entsteht in einem hybriden digitalen Workflow. Die Figur (rabenköpfige Haltung, Hände/Finger, Körpervolumen) wird in Nomad angelegt und am Zeichenpad weiter ausgearbeitet. Die Feder basiert auf realem Material: eine eingescannt/ abfotografierte Feder wird als Textur- und Formreferenz in die Komposition integriert und farblich umcodiert. In der Bildbearbeitung werden Feder, Körper und Hintergrund über Layering, Transparenzen und Kantenführung zusammengeführt; dabei entsteht die mechanische Zone im Federzentrum als gezielte Montage: organische Struktur technisches Schlosswerk (frontale Ansicht). Farb-Mischungen und Überlagerungen sorgen dafür, dass die Eigenfarbe der Feder sich mit dem Umraum verbindet, statt als Fremdkörper darauf zu liegen. So wird die Feder gleichzeitig Materialprobe und Systemschlüssel.
Referenzen
Medium/Tools: Nomad App; Zeichenpad; Computer/Bildbearbeitung Bildquellen/Material: echte Feder (eingescannt/abfotografiert, als Textur/Formbasis) Motiv/Index: rabenköpfige Figur in kniender Haltung; Feder zwischen den Fingern; mechanisierte Federzone (Schlüssel-/Schlossprinzip); frontales Schlosswerk Technik: 3D/Modell + digitale Zeichnung, Scan-Textur-Integration, Layering/Compositing, Farbüberlagerung/Angleichung, Kanten-/Transparenzsteuerung
2024.08
Abwurf
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
Abwurf zeigt eine Figur im Moment nach der Entscheidung: eine rote, schwer wirkende Masse, gefaltet wie Metallfolie oder organisches Gewebe, liegt im Raum, als wäre sie gerade „abgesetzt“ worden. Aus der Form hebt sich ein Arm nach oben — eine wehende, abstreifende Geste, die zugleich Abschied und Entlastung lesen lässt. Im Inneren blitzen kantige, grün-blaue Strukturen auf: ein technischer Kern, sichtbar und zugleich eingeklemmt. Darüber steigt eine rauchige Spur, während eine helle, gelbliche Form wie eine Fahne oder ein abgerissener Hinweis in die Szene ragt. Das Bild hält die Ambivalenz: Abwurf als Befreiung, aber auch als Verlust von Kontrolle; ein Körper, der sich trennt und dabei Spuren zurücklässt.
Materialität & Verfahren
Die Arbeit entsteht digital in einem kombinierten Workflow: Grundvolumen werden in Nomad modelliert, am Zeichenpad weiter geformt/akzentuiert und in der Bildbearbeitung als Schichtsystem komponiert. Die rote Außenform wird über Glanz, harte Kanten und facettierte Übergänge als druckvolle Hülle geführt; die Armhaltung wird als klare Richtungssetzung modelliert, damit die „wehende“ Bewegung lesbar bleibt. Der innere Kern erhält eine kantige, geometrische Sprache (grün/blau) und wirkt wie eingefasste Konstruktion oder Fremdkörper. Rauch-/Partikelzonen werden als transparente Overlays eingesetzt, um Nachwirkung und Richtung zu markieren. Farb- und Kontrastführung (Rot = Gewicht/Körper, Grün-Blau = Systemkern, Gelb = Signal) ordnen die Szene: Geste oben, Masse unten, Spur dazwischen.
Referenzen
Medium/Tools: Nomad App; Zeichenpad; Computer/Bildbearbeitung Motiv/Index: rote Figur/Hülle; Arm nach oben (wehende/abstreifende Geste); geometrischer Kern (grün/blau); Rauch-/Spurzone; gelbliche Signalform Technik: digitales Modellieren + Zeichnung, Layering/Compositing, Glanz-/ Kantenführung, Transparenz-/Rauch-Overlays, Farbkontrast als Strukturprinzip
2024.10
Apollo-Alien - Gipsrelief an Leinwand
Relief
Werktext
Kurzbeschreibung
Apollo-Alien untersucht die Schnittstelle von Alltag und kosmischer Projektion: Eine Figur steht zwischen „Fenster“ und Raumtiefe; die Bildfläche wird selbst zur Schwelle. Das Fenster (inspiriert vom Backofenfenster) kippt vom häuslich Funktionalen zur Schwelle, an der Wahrnehmung in eine andere Ordnung rutscht. Farb- und Formkontraste halten diese Dualität in Spannung: dunkles Zentrum und leuchtender Körper, Absorption und Energie.
Materialität & Verfahren
Acrylmalerei und Gipsrelief machen die Leinwand zur Schnittstelle zwischen Flächigkeit und Volumen. Der Gips baut den Hintergrund als physische Schichtung auf: Er wird modelliert, geschliffen und partiell übermalt, sodass Relief und Farbfläche ineinander greifen. Im oberen Bilddrittel bleibt zwischen Gipskörper und Leinwand eine bewusste Aussparung/Risszone: Sie bricht die Illusion eines geschlossenen Bildraums und macht die Nahtstelle der Konstruktion erfassbar.
2024.10
Cosmic emptyness
Analoge Malerei
Werktext
Kuzsbeschreibung
Ein querformatiges Bild zeigt das Porträt einer weiblich wirkenden Figur vor einem dunklen, sternenübersäten Weltraumhintergrund. Die Figur ist frontal dargestellt und blickt mit weit geöffneten, hellblauen Augen nach oben. Ihr Gesicht ist blass grünlich-gelb modelliert, mit roten Lippen, dunklen Schattenpartien und violettem Haar. Sie trägt einen schwarzen Hut mit breiter Krempe. Aus dem Hut wachsen oder strömen farbige, flammen- oder bandartige Formen in Blau, Creme, Violett und Rosa nach oben.
Der Hintergrund ist schwarz und mit zahlreichen weißen Punkten und kleinen Sternformen besetzt. Mehrere runde, planetenartige Kugeln in Blau und Weiß schweben im Raum. Geschwungene Bahnen und wolkenartige Farbfelder in Blau, Violett, Grün und Rosa durchziehen das Bild und verstärken den Eindruck eines kosmischen Geschehens. Unten rechts befindet sich ein kleines orangefarbenes Quadrat mit einem grünen Monogramm.
Der Gesamteindruck ist expressiv, traumhaft und theatralisch. Das Bild verbindet Porträt, Fantasiefigur und kosmische Szenerie.
Materialität
Ölpastell, Buntstifte und Ölfarbe auf Aquarellpapier
Verfahren
Zeichnung und Malerei auf Aquarellpapier
2024.11
Zombie - Relief auf Leinwand
Relief
Werktext
Kurzbeschreibung
Diese neue Version von Zombie überführt die frühe grafische Konstellation in eine körperlich greifbare Horrorassemblage. Die zentrale Figur tritt aus der Fläche heraus; Schädel, Zähne und Knochen erhalten Volumen und werden zu einem verletzlichen, zugleich grotesken Materialkörper. Zwischen den stark ausgebildeten Zähnen befindet sich erneut der Knochen. Der Mund scheint ihn beinahe zu greifen oder festzuhalten. Die in der frühen Version noch deutlich erkennbaren Hände verändern sich dagegen grundlegend.
Aus ihnen werden zahlreiche kleine Segmente aus Knete. Ihre Form bleibt bewusst mehrdeutig: Sie können als verkürzte Hand- oder Fingerknochen gelesen werden, zugleich aber auch als Maden. Damit verwandelt sich der soziale Zugriff der ersten Fassung in eine körperliche und biologische Bewegung. Hände, Knochen und Maden gehen formal ineinander über. Das Motiv des Zugreifens wird dadurch gleichzeitig zu einem Motiv des Fressens, Festhaltens und Zerlegens.
Diese Bewegung bleibt nicht innerhalb der eigentlichen Bildfläche. Der Rahmen ist fest mit der Arbeit verbunden und wird selbst Bestandteil der Assemblage. Einzelne madenartige Formen reichen bis auf den Rahmen, scheinen sich in ihn hineinzufressen oder aus ihm herauszuwachsen. Dadurch wird die Grenze zwischen Bild, Körper und Umgebung instabil: Der dargestellte Zerfall lässt sich nicht mehr vollständig vom Objekt einfassen.
Der Begriff „Fleischesliebe“ wird in dieser Version körperlicher zugespitzt. Aus der Perspektive der Maden besteht eine unmittelbare Beziehung zum letzten Fleisch am Knochen. Aus der Perspektive des Schädels erscheint der Knochen als etwas, das zwischen den Zähnen gehalten und nicht losgelassen wird. Für den außenstehenden Betrachter entsteht dagegen vor allem ein Horrormotiv. Liebe, Nähe und Verbundenheit werden dadurch nicht als harmonische Zustände dargestellt, sondern als widersprüchliche Formen von Abhängigkeit, Festhalten, Verzehren und Vergehen.
Die Arbeit greift dabei dieselben persönlichen Bezugspunkte wie die frühere Fassung auf: die Begleitung sterbender Menschen in meiner Tätigkeit als Pflegefachassistent, Erfahrungen von Zuneigung und Abschottung sowie die Begegnung mit den dicht nebeneinander angeordneten menschlichen Gebeinen der Catacombes de Paris. In meiner eigenen, bewusst abstrusen Lesart entstand daraus die Vorstellung einer Gemeinschaft über den Tod hinaus – einer Nähe, die von außen ebenso befremdlich erscheinen kann wie die „Fleischesliebe“ innerhalb des Bildes.
Materialität & Verfahren
Knete, Kunstharz und Stecknadeln tragen die Aussage direkt über ihre Haptik. Knete ermöglicht unmittelbare Formung, Verformung und eine direkte, beinahe rohe Gestik; Kunstharz fixiert diese prozesshafte Weichheit und konserviert den Moment der Deformation; Stecknadeln setzen Akzente von Durchdringung, Fixierung und Druck. Die aus Knete geformten kleinen Segmente übernehmen dabei die Funktion der früheren Hände, lassen sich zugleich jedoch als Maden oder Hand- und Fingerknochen lesen. Der fest mit dem Bild verbundene Rahmen wird in die Arbeit einbezogen; einzelne Formen scheinen sich in ihn hineinzufressen oder aus ihm hervorzuwachsen.
Im Unterschied zur Version von 2022, in der Wiederholung, Kontrast und Blockade vor allem grafisch organisiert waren, wird die Bildlogik hier in eine Reliefstruktur überführt: Zugriff erhält Volumen, die Figur Widerstand, die Oberfläche Wunde. Das Werk markiert damit die Zuspitzung der früheren Anlage – von der optischen Verdichtung zur physischen Präsenz.
Referenzen
Medium/Tools: Leinwand; Knete; Kunstharz; Stecknadeln; fest mit dem Bild verbundener Rahmen Technik: Reliefaufbau auf Leinwand; plastische Formung; Fixierung und Materialverdichtung; Einbeziehung des Rahmens in die Assemblage Werkbezug/Entwicklung: Weiterführung und Materialisierung von 2022.01 „Zombie“; die dort grafisch angelegte Drucksituation wird als haptische Konfliktstruktur ausgebildet Bildlogik: Hände werden zu mehrdeutigen Segmenten zwischen Maden und Hand-/Fingerknochen; Knochen zwischen grotesk greifenden Zähnen; Überschreitung der Bildfläche bis in den Rahmen Inhaltlicher Bezug: Begleitung sterbender Menschen; Liebe, Zuneigung und Abschottung; Demenz; persönliche Wahrnehmung der Catacombes de Paris; „Fleischesliebe“ aus der Perspektive von Maden, Schädel und außenstehendem Betrachter Entwicklungskurve: Zwischen 2022 und 2024 verschiebt sich Zombie von einer zeichnerisch-digital verdichteten Drucksituation zu einer materiell-körperlichen Konfliktform. Die frühe Arbeit entwickelt Gesicht, Hände und blockierte Mundzone aus Fläche, Kontrast und Wiederholung. Die Reliefversion übernimmt diese Struktur, übersetzt sie jedoch in Volumen, Oberfläche, Zerfall und physischen Widerstand.
2025.11
geckleckert
Digitale Arbeit
Werktext
Bildbeschreibung
Ein abstraktes, hochformatiges Digitalbild in überwiegend kühlen Blau- und Violetttönen. Den oberen Bildbereich beherrscht eine große, geschwungene dunkle Form, die wie ein gewölbter Körper, eine Welle oder ein schwebendes Objekt wirkt. Entlang ihrer unteren Kante zieht sich ein breites Band in Rot, Rosa und Violett, das sich weich in die umgebenden Farbschichten einfügt.
Der Hintergrund ist von wolkigen, gesprenkelten und fließenden Strukturen durchzogen. Im unteren Bereich verdichten sich die Formen zu einer unruhigen, spritzenden Textur in Hell- und Dunkelblau, die an Wasser, Gischt oder aufgewühlte Oberfläche erinnert. In der Bildmitte zeichnen sich unter den transparenten Farbschichten zwei bogenförmige, halbkreisartige Formen ab. Unten rechts befindet sich ein kleines orangefarbenes Quadrat mit grünem Monogramm.
Der Gesamteindruck ist schwebend, atmosphärisch und in Bewegung. Das Bild wirkt wie eine Mischung aus Landschaft, Welle, Himmelsraum und abstrakter Farbstudie.
Digitale Malerei
Verfahren: App und PC, digitale Bildbearbeitung
2025.11
Phase
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
Ein hochformatiges Digitalbild zeigt den seitlichen Kopf einer menschlichen Figur vor einem sternenreichen Weltraumhintergrund. Der Kopf ist in dunklen Grau- und Schwarztönen gehalten und nach rechts gewendet. Die Gesichtszüge sind nur gedämpft sichtbar; Auge, Nase, Mund und Ohr treten weich aus der dunklen Form hervor. Über die gesamte Figur legt sich eine feine sternartige Struktur, sodass Kopf und Kosmos visuell ineinander übergehen.
Hinter dem Kopf breitet sich ein leuchtender Nebel in Rosa, Violett, Blau und Orange aus. Im oberen rechten Bereich ist eine spiralartige Galaxie zu sehen. Zahlreiche helle Sterne verteilen sich über die gesamte Bildfläche. Unten rechts befindet sich ein kleines orangefarbenes Quadrat mit grünem Monogramm. Der Gesamteindruck ist ruhig, entrückt und kosmisch. Das Bild verbindet menschliche Figur, Dunkelheit und Sternenraum zu einer schwebenden, fast aufgelösten Erscheinung.
Digitale Malerei
Verfahren: App und PC, digitale Bildbearbeitung
2026.01
Clash of Arts - Handout
Digitale Arbeit · Layoutgestaltung · Typografie
Werktext
Kurzbeschreibung
Das Handout setzt Clash of Arts als Vermittlungsbild zwischen Ausstellungsszene und Konzeptskizze. Im Zentrum steht ein Museumsraum mit betrachtenden Figuren, gerahmten Werken und einer ruhigen, auf Wahrnehmung konzentrierten Situation. Darunter kippt die Darstellung in eine schematischere Ebene: Ein kreisförmig gefasstes Icon mit Klemmbrett, Stift und Zahnrad übersetzt das Sehen in Verfahren, Auswertung und kuratorische Struktur. Die drei Textmodule benennen die konzeptuellen Achsen des Projekts – Ausstellungsformat, Publikumsinteraktion und kuratorischer Prozess. Der Fußbereich mit Projekt- und Kontaktangaben fasst das Blatt als sachliche Informationsfläche.
Materialität & Verfahren
Die Gestaltung arbeitet mit einer reduzierten Farbskala aus Beige, Violett und Blau und hält die Seite damit bewusst ruhig. Der obere Bildraum bleibt illustrativ und räumlich, der untere Bereich verdichtet dieselbe Logik zu einer zeichenhaften Funktionsgrafik. Gestrichelte Linien rahmen die Seite und stabilisieren die vertikale Gliederung von Titel, Szene, Funktionsblock und Fußzeile. Entscheidend ist der Wechsel der Register: Beobachtung, Teilnahme und organisatorische Rahmung greifen ineinander und bilden die Ebenen eines partizipativen Ausstellungskonzepts.
Referenzen
Projekt: Clash of Arts – Partizipatives Ausstellungskonzept zur Wahrnehmung von Kunst Konzeptentwicklung: 2024.11 Sichtbare Textelemente: „Conceptual exhibition format“, „Audience interaction & perception“, „Curatorial framework & process“ Funktionsbezug: Handout zur Vermittlung eines interaktiven, anonymisierten Ausstellungs- und Abstimmungsformats
2026.01
Cosmic Culture - Handout
Digitale Arbeit · Layoutgestaltung · Typografie
Werktext
Kurzbeschreibung
Das Handout zeigt Cosmic Culture als modulares System zwischen Gestaltung, Bepflanzung und gemeinschaftlicher Nutzung. Die zentrale Darstellung der Pflanzgefäße macht den Projektkern unmittelbar anschaulich: einzelne Beete, unterschiedliche Bepflanzungen und die Wiederholung ähnlicher Module verweisen auf Variabilität statt auf ein abgeschlossenes Objekt. Ein kreisförmig gerahmtes Schema im unteren Bereich reduziert diese räumliche Ansicht auf die Grundstruktur des Systems. Die begleitenden Textmodule benennen den interdisziplinären, sozialen und ökologischen Rahmen; der Fußbereich verankert die Darstellung als projektbezogenes Informationsblatt.
Materialität & Verfahren
Die Gestaltung nutzt eine warme Grundfläche und kontrastierende Akzentfarben in Violett, Grün, Blau und Gelb. Dadurch erscheinen Titel, Module und Leitelemente deutlich voneinander getrennt, ohne technisch-kühl zu wirken. Die zentrale Objektansicht bleibt illustrativ, zeigt das Gefäßsystem aber bereits als funktionale Anordnung von Segmenten, Pflanzzonen und Wegen. Der Entwicklung der Gefäße liegt eine CAD- gestützte Konstruktion mit FreeCAD zugrunde, die den modularen Aufbau und die Wiederholbarkeit der Elemente mitbestimmt. Das untere Schema übernimmt diese Logik in abstrahierter Form und macht aus der bepflanzten Anlage ein lesbares Konstruktionsprinzip.
Referenzen
Projekt: Cosmic Culture – interdisziplinäres Kunst-, Design- und Ökologieprojekt Konzeptentwicklung: seit ca. 2011 Projektkontext: parallel zur Ausbildung zum Gärtner, Fachrichtung Stauden, entwickelt Sichtbare Textelemente: „Interdisciplinary art & design Project“, „Community use & ecological Context“, „Modular Drained Growing System“ Bildgrundlage: illustrative Beispielgrafik auf Basis von GM PlugTrays Funktionsbezug: Handout zur Vermittlung eines modularen Kultivierungs- und Nutzungssystems im Spannungsfeld von Gestaltung, gemeinschaftlicher Praxis und ökologischer Fragestellung
2026.02
Flewd
Digitale Arbeit
Werktext
Kurzbeschreibung
Flewd organisiert Bewegung als Kollision von Zeichensystemen, aber der Auslöser ist ein Wesen: Im Zentrum sitzt ein grünlich getarnter Körper, ein Fabelhybrid aus Heuschrecke und Falter, der wirkt, als bestünde er aus Polystichum braunii – die Tarnung sitzt so tief im Körper, als wäre sie Herkunft. Aus dieser organischen Maskierung heraus formt sich ein Lichtball, der die Mitte wie verdichtete Materie besetzt. Ein bloßer Leuchteffekt wäre dafür zu leicht. Links steht eine violette, konturierte Masse wie ein Schattenkörper oder Negativ-Abdruck; rechts ein halbkreisförmiges Modul mit grünem Rand, das an Messfeld, Schwelle oder Interface erinnert. Zwischen organischem Kern und technischem Rahmen entsteht ein instabiles Gleichgewicht: Flug als Impuls, der in eine Logik von Steuerung und Umlenkung gerät.
Materialität & Verfahren
Die Komposition geht aus einer Zeichnung hervor. Linienideen und Feldaufteilungen bleiben sichtbar und gehen direkt in die digitale Konstruktion über. In der digitalen Umsetzung arbeitet die Arbeit mit Layer-Architektur und „eingelassenen” Zonen: flächige Violettfelder bauen den Grundraum, konturierte Bereiche wirken wie eingefräst oder als Einblendungen aus einem anderen System. Der zentrale Organismus wird über Textur- und Transparenzschichten aufgebaut: pflanzlich-faserige Struktur (Tarnung/Blattkörper) trifft auf violette Flächen, die den Hybrid zugleich verbergen und markieren. Der Lichtball entsteht als gezielte Verdichtung durch radiale Strahlung und Kontrastführung – ein Kern, der das Bildzentrum physisch behauptet, obwohl alles digital ist. Rechts stabilisiert das Halbkreis-Modul mit Achsen-/Linien-Overlays die technische Lesart (Messung/Navigation), während sichtbare Kanten, Überlagerungen und Zeichenreste die Konstruktion offenlegen. Natur und Technik geraten dabei an dieselbe Schwelle.
2026.03
Climbing Party
Digitale Arbeit · Aquarell
Werktext
Kurzbeschreibung
Climbing Party baut eine Landschaft, die wie eine Maschine arbeitet: ein Matterhorn als vertikaler Kanal, durch den Materie, Energie und Bedeutung zirkulieren. Vom Gipfel läuft eine glühende Spur bergab und koppelt das Oben an ein großes, ringförmiges Gebilde im Vordergrund – ein tunnelartiger Krater, der wie eine Öffnung ins Innere der Szene wirkt. Figuren/Fragmente sitzen an den Rändern dieser Dynamik: rechts als Schwellenposten am Eingang, links als bläserartige Kraft, die Bewegung und Verdichtung überhaupt erst anstößt. Unten zieht ein wellenförmiger Teppich die Komposition zusammen und hält die Erzählung offen zwischen Geologie, Technik und kosmischer Projektion.
Materialität & Verfahren
Die Arbeit verschaltet Handspur und Konstruktion: Aquarell legt Atmosphäre und Unschärfe als Wetterlage an, während die digitale Modellierung (Blender) den Tunnel als präzise, technisch wirkende Form setzt. In GIMP werden die Ebenen montiert, Kanten verschoben, Texturen gegeneinander geschoben – so entsteht der Eindruck einer hybriden Topografie, die „gebaut” ist, nicht gefunden. Acrylinterventionen greifen als Störungen und Markierungen ein: Spuren, Spritzer, Verdichtungen, die das Bild wieder ins Physische ziehen und die Illusion eines geschlossenen digitalen Raums brechen. Der zentrale „Kern“ im Tunnel (minenspitzen-/ speicherartig) bündelt diese Logik: Energie fließt, wird gesammelt, umcodiert und neu ausgegeben.
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